Weiße Würste

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Berlin, 14. Dezember 2005

Samstags gab es frueher immer Weisswuerste. Zum Mitagessen. Ich habe die Weisswuerste gehasst. Freitag Nacht war ich immer mit meinen Freunden unterwegs. Am Samstag um zwoelf Uhr rief mich meine Mutter zum Essen. Der Kopf schmerzte, mir war kotzuebel. Weisswuerste isst man mit suessem Senf. Dazu eine Breze mit Butter. Der Bayer in der Werbung trinkt ein Glas Weizen-Bier dazu. Ich trank Milch.

Seit 13 Jahren lebe ich in Berlin. 450 km weit weg von Schwandorf, von da, wo ich her bin.

Jetzt kann man auch in Berlin Weisswuerste kaufen. Es sind die selben Weisswuerste, die ich frueher nicht mochte. Die Schwandorfer Metzgerei Wolf hat expandiert. Sie hat einen Laden aufgemacht, im funkelnagelneuen Shopping-Center am Potsdamer Platz. Und nicht nur Weisswurste gibt es da. Man kann auch eine Leberkaesesemmel essen. Da wird so einem wie mir immer ganz weich ums Herz….

Fuer eine wolfsche Leberkaesesemmel haben wir in den Pausen immer illegal die Schule verlassen. Denn auf der gegenueberliegenden Strassenseite war die Metzgerei. Jeden Tag eine Heldentat.

Der Profi besteht beim suessen Senf uebrigens auf Händlmayer-Senf. Der kommt aus Regensburg, und den gibt es sogar in New York, im exklusiven Feinkostgeschaeft Dean & Deluca in Soho. Im den Potsdamer-Platz-Arkaden ist er billiger.

Artlöcher

Amsterdam, 28. November 2005
Ein indisches Restaurant in Amsterdam. Das Essen ist teuer, die Portionen klein. Ein Handwerker verlegt über unseren Köpfen ein Telefonkabel. Mir gegenüber sitzen drei Künstler. Es wird das unisperierteste Tischgespräch meines Lebens. Jeder der drei nur in der Lage in kryptischen Saetzen über die eigene Arbeit zu sprechen. Schlaue Worte, die keinen Sinn ergeben. Jeder hört niemandem zu.

Vorstadt international

Dublin, 27. September 2005

Man moechte eine leere Cola-Dose hineinschmeissen, in diese abgezirkelte Ordnung. Die leere Dose als Spur von Leben inmitten der antiseptischen Rasenrechtecke begrenzt von Betonmauern und Zaeunen. Eine irische Vorstadt sieht aus wie eine Vorstadt in Australien, Singapur oder Oesterreich: amerikanisch. Wer hat diesee wahnsinnigen Einfaelle gehabt, alles gleichzumachen und alles in Quadrate zu pressen? Und warum um Himmels willen konnte diese Vision Wirklichkeit werden? Ein Virus, der sich ausbreitet und die ganze Welt mit Vorstaedten ueberzieht.

Wind und weißes Kleid

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Dublin, 23. September 2005

Gerade in dem Moment als Olga das dritte mal anrief, verteilte ein kurzer, heftiger Windstoss mein Fruehstuck im gesammten Garten. Olga musste umbedingt sofort kommen, weil sie diese DVD brennen musste. Dazu brauchte sie meinen Computer.
Waehrend der Computer die DVD brannte, beschwerte sie sich ueber ihre Professoren an der warschauer Kunsthochschule. Denen hatte ihre Abschluss-Performance nicht gefallen, bei der sie sich eine rasierte Moese auf ihr weisses Kleid projezierte, um die weibliche Unschuld zu thematisieren.
Die DVD hat dann uebrigens nicht funktioniert. Ich hatte vorher schon angemerkt, dass man auf die Art, wie Olga es machen will, keine DVD brennen kann. Zumindest keine, die in einem DVD-Player laeuft. Aber ich hatte es nicht besonders nachdruecklich gesagt. Weil ich auf keinen Fall wollte, dass es so ausieht, als gehe mir Olga auf die Nerven.

Wasserflaschen auf Rasen

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Sydney, 23. August 2005

Australier legen halbvolle Plastikwasserflaschen in ihre Vorgaerten. “Warum?” frage ich bloede. “Wegen der Hunde!” Ich verstehe nicht. “Weil die Hunde dann nicht in den Vorgaerten hineinpinkeln.”
“Das ist ja toll,” sage ich, “und das funktioniert?”
“Na offensichtlich, weil sonst wuerden es die Leute ja nicht machen.”
Klar – es sieht auch ziemlich bloede aus mit all den Wasserflaschen auf dem Rasen.