Gifted

I go to the supermarket and take what I want. I put everything in a shopping cart until I have enough. At the exit of the supermarket I show a plastic card and then there is some mumbo jumbo going on that has to do with numbers. Numbers that are entered into a machine . Sure, I know of course that there is money being debited from my account, I know the story. But if I forget the story for a moment, just for the fun of it….

So there’s some mumbo jumbo going on with a plastic card. I think back to when I was a kid. As a little boy, I had to go to church every Sunday. My father took me and somehow we always stood at the back of the church. Today I my explanation is that we were always late, presumably my father didn’t want to go to church either, but he thought it was good for his son. And even if we had been on time, I don’t see my father as the guy who would have gone all the way to the front and then planted himself in the bench where everyone would see him. For whatever reason, we were in the back.

Sometimes my father would allow me to sit on the steps leading up to where the choir was at Christmas. I was grateful to him for that every time. The church was boring and a torture. Only at the end something exciting happened. That was obviously the highlight of the event, what it all boiled down to was when the man standing at the front on the stage performed the trick with the egg, which he turned into something. The man was a magician who wore a wondrous robe. Everyone looked at him when he held the egg above his head and then hid it under a cloth, under which it would surely turn into a rabbit or something, I had seen something similar on TV. Each time I stood on my tiptoes, but unfortunately I could never see it clearly, because we were standing so far back. As I grew older and wiser, I learned that it was not a magic trick with an egg, but simply a wafer that turned into the body of Christ. It took a few more decades until I realized that the notion of a trick to impress all those present was the right one.

In any case, I have to think about this every time I stand at the checkout in the supermarket. The thing with the card is also such a magical moment, a story to which we have become accustomed and which therefore seems completely normal to us, but when I try to understand it I can only marvel at the miraculous mechanism that people have invented there.

If you didn’t have to pay at the exit, I, like probably everyone else, would take all kinds of stuff from the shelves, stuff that I don’t even need. I would probably drag too much stuff home and end up throwing it away.

The plastic card mumbo jumbo seems to, if not prevent that entirely, at least limit it considerably. We take what we need.

Super system. The monkeys have thought that one up neatly. So that I monkey no longer have to run into the forest to laboriously gather the stuff I need for breakfast, but only have to push a shopping cart into the supermarket to take the stuff from the shelves, ready to spread and portioned.

But it gets even more awesome. The monkeys who have not invented supermarkets, that is, the monkeys who still sit in the forest on trees, they always eat the same. So not always exactly the same, but always what grows in immediate vicinity on the trees or elsewhere. Modern monkeys like us, with our supermarkets can eat what grows anywhere on the planet, and of course we eat only the best.

I noticed this after visiting friends in Switzerland. They had such a great salt, with herbs in it. The herbs came from Italy and the salt from the Himalayas. “Wow, I’ve never eaten such a great salt before,” I said, and when we were back home my wife found the salt in the supermarket. The greatest salt in the world now sits in our kitchen. And if there is really something that is not available, you can order it on the Internet. Again, with some mumbo jumbo with a plastic card and numbers, only you don’t even need a plastic card and you even get the stuff delivered to your home and carried up to the third floor. It’s all very convenient. If I had to go all the way to Italy myself for the herbs and had to scrape the salt out of the Himalayan mountains, of course I wouldn’t take the trouble.

We modern monkeys, we all hang in such a system. The system that we monkeys have thought up ourselves and developed over thousands of years. The system, it is so complex and wonderful that one could shiver with awe. Curiously, most people complain about it all the time or say that it’s terribly unfair because there are far too many who can’t go to the supermarket and eat the best salt in the world. And there’s truth to that, of course. The system doesn’t work equally well for everybody yet. But I would say the system is working better and better, and if you look back in time, you can see that it works better and better over time, and more and more people around the world are benefiting from it.

To the monkeys in the trees, this should all seem like a miracle. If they had a word for miracle.

Geschenkt

Ich gehe in den Supermarkt und nehme was ich will. Ich packe alles in einen Einkaufswagen bis ich genug habe. Am Ausgang des Supermarkts zeige ich eine Plastikkarte und dann wird irgendein Hokuspokus veranstaltet, der mit Zahlen zu tun hat. Zahlen, die in Computer eingegeben werden . Klar, ich weiß natürlich, dass da Geld von meinem Konto abgebucht wird, ich kenne die Geschichte. Aber wenn ich spasseshalber mal einen Augenblick die Geschichte vergessen…

Da wird also irgendein Hokuspokus mit einer Plastikkarte veranstaltet. Ich denke an die Zeit zurück, als ich ein Kind war. Als kleiner Junge musste ich jeden Sonntag in die Kirche. Mein Vater hat mich mitgenommen und irgendwie standen wir jedes mal ganz hinten. Das erkläre ich mir heute so, dass wir eigentlich immer zu spät dran waren, vermutlich hatte mein Vater auch keinen Bock in die Kirche zu gehen, dachte aber, das das gut für seinen seinem Sohn sei. Und auch wenn wir rechtzeitig gekommen wären, sehe ich meinen Vater nicht als den Typen, der bis ganz nach vorne gegangen wäre um sich dann in die Bank hinzupflanzen, wo alle ihn sehen würden. Warum auch immer, wir standen hinten.

Manchmal hat mein Vater mir erlaubt, mich auf die Stufen zu setzen, die nach oben führten, dahin, wo an Weihnachten der Chor stand. Dafür war ich ihm dann jedes mal dankbar. Die Kirche war stinklangweilig und eine Qual. Erst am Ende passierte irgendwas spannendes. Das war ganz offensichtlich der Höhepunkt der Veranstaltung, das worauf alles hinauslief, war wenn der Mann, der vorne auf der Bühne stand den Trick mit dem Ei vorführte, das er in irgendwas verwandelte. Der Mann war ein Zauberer, der ein wundersames Gewand anhatte. Alle schauten zu ihm, wenn er das Ei über seinen Kopf hielt und danach unter einem Tuch versteckte, unter dem es sich dann sicherlich in einen Hasen oder so etwas verwandeln würde, ähnliches hatte ich schon im Fernsehen gesehen. Ich stellte mich jedes mal auf die Zehenspitzen, doch blöderweise konnte ich es nie genau erkennen, weil wir ja so weit hinten standen. Als ich älter und klüger wurde habe ich natürlich gelernt, dass das ganze kein Zaubertrick mit einem Ei war, sondern ganz einfach eine Oblate, die sich in den Leib Christi verwandelte. Es dauerte nochmals einige Jahrzehnte, bis mir bewusst wurde, dass das mit dem Trick der dazu da war, alle Anwesenden zu beeindrucken, die Sache doch ganz gut traf.

Jedenfalls muss ich da jedesmal dran denken, wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe. Die Handlung mit der Karte ist auch so ein magischer Moment, eine Geschichte, an die wir uns gewöhnt haben und die uns deshalb völlig normal vorkommt, aber wenn ich versuche, sie zu verstehen kann ich nur staunen über den wundersamen Mechanismus, den sich die Menschen sich da ausgedacht haben.

Wenn man am Ausgang nicht bezahlen müsste, würde ich, wie wahrscheinlich alle anderen, alles mögliche aus den Regalen nehmen, Zeug, dass ich gar nicht brauche. Ich würde mir womöglich zu viel Zeug nach Hause schleppen und am Ende wegwerfen.

Der Hokuspokus mit der Plastikkarte scheint das, wenn schon nicht ganz zu verhindern, so doch zumindest erheblich einzuschränken. Wir nehmen uns, was wir brauchen.

Super System. Das haben sich die Affen sauber ausgedacht. So dass ich Affe nicht mehr in den Wald rennen muss, um mühselig das Zeug zusammenzusammeln, das ich zum Frühstück brauche, sondern nur einen Einkaufswagen in den den Supermarkt schieben muss um mir die Sachen, streichfertig und portioniert, aus den Regalen zu nehmen.

Aber es kommt noch viel toller. Die Affen, die keine Supermärkte erfunden haben, also die Affen, die noch im Wald auf Bäumen sitzen, die essen immer das gleiche. Also nicht immer genau das gleiche, aber immer das, was in unmittelbarer Umgebung an den Bäumen oder sonst wo wächst. Moderne Affen wie wir, mit unseren Supermärkten können fressen, was irgendwo auf dem Planeten wächst und wir fressen natürlich nur das Beste.

Das ist mir aufgefallen, nachdem ich bei Freunden in der Schweiz zu Besuch war. Die hatten so ein tolles Salz, mit Kräutern drin. Die Kräuter kamen aus Italien und das Salz aus dem Himalaya. „Boah, so ein tolles Salz habe ich ja noch nie gegessen“, habe ich gesagt, und als wir wieder zu Hause waren hat meine Frau das Salz bei uns im Supermarkt gefunden. Das tollste Salz der Welt steht jetzt auch bei uns in der Küche. Und wenn es mal wirklich etwas gibt, was es nicht gibt, dann kann man es im Internet bestellen. Wieder mit so einem Hokuspokus mit einer Plastikkarte und Zahlen, nur braucht man da noch nicht mal eine Plastikkarte und kriegt den Kram sogar noch nach Hause geliefert und in den dritten Stock hinaufgetragen. Das ist alles sehr bequem. Wenn ich selbst bis nach Italien müsste, wegen der Kräuter und das Salz aus dem Himalaya-Gebirge kratzen müsste, die Mühe würde ich mir natürlich nicht machen.

Wir modernen Affen, wir hängen da alle in so einem System. Das System das haben wir Affen uns selbst ausgedacht und über tausende von Jahren entwickelt. Das System, es ist derart komplex und wundervoll, dass man vor Ehrfurcht erschauern könnte. Kurioser Weise beschweren sich die meisten immerzu darüber oder sagen dass es furchtbar ungerecht ist, weil es viel zu viele gibt, die nicht in den Supermarkt gehen können und nicht das beste Salz der Welt essen können. Und da ist natürlich was dran. Das System funktioniert noch nicht für alle gleich gut. Aber ich würde sagen, das System funktioniert immer besser und wenn man in der Zeit zurückschaut, kann man sehen, dass es mit der Zeit immer besser funktionierte und immer mehr Menschen auf der ganzen Welt davon profitieren.

Den Affen auf den Bäumen müsste das alles vorkommen wie ein Wunder. Wenn sie ein Wort für Wunder hätten.

Sense and Senselessness

Sky over Gülitz

Problems that are easy to solve were solved a long time ago. They have died out. Only problems whose solution is not easy have survived and that is also logical, because otherwise they would have already been eliminated from the world once and for all a long time ago by some friendly monkey. The world without easy to solve problems, that is the world in which we live in.

So we are still surrounded by problems, but problems whose solution is not easy. This makes our world on the one hand very comfortable, because many stupid problems are already solved, and on the other hand very interesting, because we can now devote all our attention to tricky, challenging questions. Problems that cannot be solved with a single brain alone. Interesting problems, exciting problems, that is our world.

Every now and then we encounter a monkey who announces in a rather loud voice that everything is very simple. Then he explains anything. But it is better not to make the effort to understand what this monkey actually means. Because it is insanely improbable that there are still problems in our world where **everything** is **simple**. Very simple problems, as I said, are extinct.

And the monkey that roars so loudly actually belongs to the time when all monkeys roared loudly. It is as simple as that. But of course, it’s not that simple after all. Because loudly roaring monkeys like to attract the attention of other monkeys, who have not yet dealt with the respective problem, and therefore are capable of believing what the loud monkey roars, and they like to believe: “Oh, it’s all quite simple.”

Monkeys who have a clue not only speak more softly, they also speak more complicated. They say things like: “On the one hand and on the other hand” and “one must weigh between” and it is “more or less probable”, “it can be said (however) that…”.

A sentence that begins with “With a high degree of probability…” cannot be shouted and is not particularly catchy.

But exactly this can be used to distinguish the foolish from the wise with simple means. Not always and every time, but with a sufficiently high probability to distinguish the sense from the nonsense even in topics of which one has not the much of an idea oneself. You just have to build a filter and the filter works like this: Every time someone uses words like “everything”, “never”, “everywhere”, “nowhere”, “absolutely”, “always” and the like, you can safely direct your attention in another direction, because the probability of finding knowledge in the direction of the source of these words is so low that looking there is not worthwhile.

In this manner, a lot of nonsense can be faded out. And that makes life easier and more relaxed and also much more interesting.

Sinn und Unsinn

Sky over Gülitz

Probleme, die einfach zu lösen sind, sind bereits vor langer Zeit gelöst worden. Sie sind ausgestorben. Überlebt haben nur Probleme, deren Lösung eben nicht einfach ist und das ist auch logisch, denn sonst wären sie ja schon bereits vor langer Zeit von irgendeinem freundlichen Affen ein für alle mal aus der Welt geschafft worden. Die Welt ohne einfach zu lösende Probleme, das ist also die Welt in der wir leben.

Wir sind also immer noch von Problemen umgeben, aber eben Probleme, deren Lösung nicht einfach ist. Das macht unsere Welt einerseits wahnsinnig bequem, weil ganz viele blöde Probleme bereits gelöst sind und andererseits sehr interessant, weil wir nun unsere gesamte Aufmerksamkeit kniffligen, herausfordernde Fragen widmen können. Probleme, die sich mit einem Hirn alleine nicht lösen lassen. Interessante Probleme, spannende Probleme, das ist unsere Welt.

Ab und an begegnet man dann einem Affen der mit lauter Stimme von sich gibt, es sei alles ganz einfach. Danach erklärt er irgendwas. Dabei sollte man sich besser nicht die Mühe machen, zu verstehen was dieser Affe da eigentlich meint. Denn es ist wahnsinnig unwahrscheinlich, dass es in unserer Welt noch Probleme gibt, bei denen **alles** **ganz einfach** ist. Ganz einfache Probleme, wie gesagt, sind ausgestorben.

Und der Affe, der so laut brüllt, gehört eigentlich in die Zeit, in der alle Affen laut brüllten. So einfach ist das. Aber so einfach ist es natürlich doch nicht. Denn laut brüllende Affen ziehen gerne die Aufmerksamkeit von anderen Affen auf sich, die sich mit dem jeweiligen Problem noch so gut wie gar nicht beschäftigt haben und deshalb das, was der laute Affe brüllt, weil sie ja keine Ahnung haben, glauben können und gerne glauben wollen: „Ach so, es ist ja alles ganz einfach.“

Affen, die Ahnung haben, sprechen nicht nur leiser, sie sprechen auch komplizierter. Sie sagen Sachen wie: “Einerseits und andererseits” und “man muss abwägen zwischen” und es ist “mehr oder weniger wahrscheinlich”, “es lässt sich (aber) sagen, dass..”.

Ein Satz der mit “Mit großer Wahrscheinlichkeit…” beginnt, lässt sich nicht brüllen und ist auch nicht besonders eingängig.

Doch genau das lässt sich nutzbar machen, um mit einfachen Mitteln das Dumme vom Klugen zu unterscheiden. Nicht immer und jedesmal aber mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit, um auch bei Themen, von denen man selbst keine Ahnung hat, den Sinn vom Blödsinn zu unterscheiden. Man muss sich nur einen Filter bauen und der Filter geht so: Jedesmal wenn jemand Worte wie “alles”, “nie”, “überall”, “nirgends”, “absolut”, “immer” und ähnliches benutzt, kann man die Aufmerksamkeit getrost in eine andere Richtung lenken, denn die Wahrscheinlichkeit, Erkenntnis in der Richtung der Quelle dieser Worte zu finden ist so gering, dass sich die Suche dort nicht lohnt.

So lässt sich schon mal ein Haufen Unsinn ausblenden. Und das macht das Leben sowohl einfacher und entspannter als auch viel interessanter.