BREAKING NEWS – SICHERHEITSRISIKO

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Die Voraussehbarkeit, mit der Medien auf spektakuläre Ereignisse reagieren, ist zum Sicherheitsrisiko geworden. Die Reaktion des Systems ist derart einfach vorhersehbar, dass es auch simpel gestrickte Individuen für ihre Zwecke einsetzen können. Selbst unterbelichtete Kids haben nun die Möglichkeit, zu weltweiter Aufmerksamkeit zu kommen. Sie werden ihr Leben dabei verlieren, doch sie laufen zumindest nicht Gefahr, dass der Plans schief geht und sie am Ende tot sind, sich aber niemand für ihre Person interessiert. Es genügt eine IS Fahne zu schwingen und “Allahu Akbar” zu rufen und einige zufällige Passanten anzugreifen. Billiger war weltweite Berühmtheit nie zu erreichen.

Wenn die Medien sich zurückhalten könnten, nicht jeden Fall, der nur nach Terror riecht, sofort als BREAKING NEWS wichtig zu machen, wenn für potentielle Täter die Gefahr bestünde, dass sie morden und sterben ohne berühmt zu werden: dann hätte sich das Thema schnell selbst erledigt.

[UPDATE nach dem Amoklauf in München, am 22.7.2016:
Binnen weniger Stunden haben sich nicht nur die beiden US-Präsidentschaftsanwärter, auch der US-Präsident selbst zu dem Vorfall in München zu Wort gemeldet.

Wenn es eine Krankheit gibt, dessen Symptom das Bedürfnis nach der größtmöglichen Aufmerksamkeit ist, dann müssen Menschen, die davon befallen sind, einem fast unwiderstehbaren Reiz ausgesetzt sein, den Knopf zu drücken, der diese gigantische Aufmerksamkeitsmaschine in Gang setzt.]

SILVESTER

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An Silvester ist der Teufel ängstlich. Die guten Menschen ziehen durch die Straßen und werfen mit Böllern und schießen Feuerwerkskörper in die Luft. Das macht dem Teufel Angst. Das macht mir Angst. Der Teufel und seine Hexen ziehen sich zurück und suchen Schutz. Die guten Menschen sind auf der Jagd. Die guten Menschen. Die guten Menschen sind nicht gut. Sie ziehen marodierend durch die Straßen. Die guten Menschen haben die Geschichte von den guten Menschen und vom Teufel geschrieben. Es ist Propaganda. Die Teufel und die Hexen sind die, die die Menschen lieben und sich darum bemühen, sie zu verstehen. Die Teufel und Hexen wollen im Einklang mit sich und der Natur leben.

Wir haben es in der Hand, ob die Terroristen siegen

In einem Strasseninterview hat mich ein Reporter gefragt, ob ich nach den Anschlägen in Paris Angst vor Terror hätte. Ich habe geantwortet: Ich fahre Fahrrad, ich fahre Motorrad, ich überquere manchmal, in Gedanken verloren, die Straße. Die Wahrscheinlichkeit, dabei zu Tode zu kommen sei um ein viel tausendfaches höher, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Nein, vor vor einem Terroranschlag hätte ich keine Angst. Aber ich habe Angst, dass sich unsere Gesellschaft aus Angst vor Terroranschlägen auf eine Art verändert, die mein alltägliches Leben angstvoll macht. Dass unsere Gesellschaft unfreier wird, misstrauisch und missgünstig allem unbekannten gegenüber. Denn das würde die Welt kleiner machen, kleingeistiger, beschränkter, angstvoller.

Die Terroristen leben bereits in dieser kleingeistigen, beschränkten und angstvollen Welt. Den Terrorismus kann man nicht besiegen. Doch wir haben es in der Hand, unsere Welt nicht in ihre Welt zu verwandeln.

Everyone is Two

Europa scheitert

Gestern habe ich einen Politikberater getroffen. Wir haben über Europa gesprochen und über Griechenland. Themen, bei denen ich oft sehr emotional werde. Der Politikberater hielt einen Austritt von Griechenland aus dem Euro für wahrscheinlich. Ein Austritt Griechenlands und anschließend ein engeres Zusammenrücken der restlichen Eurozone. Das engere Zusammenrücken der Eurostaaten ist mehr als wünschenswert, weil es langfristig den Frieden in Europa sicherstellt und weil in Zukunft nicht ein einzelnes Land, sondern nur ein gemeinsames Europa die “europäischen” Werte in der Welt vertreten kann. Ich bin Fan der europäischen Werte und ich wäre zutiefst unglücklich, wenn asiatische, indische, kapitalistische oder nationalistische Werte zunehmend Einfluss auf mein, auf unser Leben hätten.

In 20 Jahren wird Deutschland auf Grund des Bevölkerungsschwundes, aufgrund der zunehmenden wirtschaftlichen Macht anderer Nationen nur noch auf Platz 8 der einflussreichsten Länder stehen. Deutschland wäre mithin nicht mehr Teil der G7, wäre nicht mehr Teil des Clubs der einflussreichsten Länder, noch wäre ein anderes Land aus Europa dabei. Die Zukunft kann also nur in einem gemeinsamen Europa liegen, wenn europäisches Denken nicht bedeutungslos werden soll.

Der Politikberater sah eine Chance, dass Kerneuropa enger zusammenrückt, nachdem Griechenland aus dem Euro getreten wurde, denn, so die Logik: es müsse dann ein eindeutiges Signal an die Märkte gesandt werden, dass so etwas nie, nie, nie wieder passiert. Sonst würden die Märkte von einem gemeinsamen Europa nicht viel übrig lassen.

Warum könne sich dann Europa nicht enger zusammentun bevor Griechenland den Euroraum verlassen muss, habe ich gefragt. 3% Griechenland mit seinen 11 Mio Einwohnern kann doch die Euro-Zone mit seinen 330 Mio Einwohnern nicht ernsthaft gefährden. “Sicherlich nicht,” antwortete der Politikberater, “doch ohne einen Austritt Griechenlands, wäre in Europa der politische Wille kaum da, ein enges, gemeinsames Europa zu schaffen. Denn nach dem Austritt MUSS alles getan werden, um Europa zu erhalten. Der Druck wäre so groß, dass die Politiker motiviert wären alles zu tun.” Wohlgemerkt, mit Griechenland in der Eurozone, wäre das Unterfangen leichter zu bewerkstelligen und es würde nicht 11 Mio Griechen ins Elend stürzen. Doch, so die Logik, es wäre politisch nicht umsetzbar, da es den Menschen nicht zu vermitteln wäre. Der eindeutig sinnvollere Weg ist den Menschen nicht zu vermitteln! Warum? Weil seit 5 Jahren Stimmung gegen die “faulen” Griechen gemacht wurde und nun den Menschen nicht mehr erklärt werden könne, dass man die Griechen nicht bestraft.

Dabei: Wenn wir den Griechen helfen würde, würden wir Europa helfen. Und wenn wir Europa helfen, helfen wir uns selbst. Ein gemeinsames Europa kann nur aus uns bestehen. Nicht aus denen und uns.

Doch der politische Wind steht ungünstig für Griechenland. Und er nötigt die Politiker, die am Steuer stehen, zu riskanten Manövern. Doch die Politiker, die jetzt am Steuer stehen, haben mitgeholfen den Wind zu machen.

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