Das Telefon piept

Wegen dem Handy sei er so gestresst, sagt der Freund in kleiner Runde. Weil es ihn terrorisiert, sagt er. Ständig piept es und will seine Aufmerksamkeit, weil irgendwelche Firmen haufenweise Geld damit verdienen – mit seiner Aufmerksamkeit. Und dann berichtet er, was er sich für ein ausgefuchstes System ausgedacht hat, das Handy so einzustellen, dass bestimmte Nachrichten nur zu bestimmten Zeiten ankommen dürften und zu anderen Zeiten nicht. Und seine Uhr, die er sich ans Handgelenk gebunden hat und die auch mit dem Handy verbunden ist, hat er auch so eingestellt, dass nur ganz bestimmte Nachrichten angezeigt werden und die allermeisten nicht.

Ich frage mich, wie viel Energie er wohl aufgewendet hat, um herauszubekommen, wie das alles geht, mit dem bestimmte Nachrichten abschalten und andere nicht. Und wieviel Energie es braucht, um dieses ausgefuchste System zu unterhalten.

Wie ich das machen würde, fragt er mich.

Ich mache gar nichts. Wenn das Handy piept, weil eine Nachricht angekommen ist, dann lasse ich es liegen, wenn mir nicht danach ist und wenn mir danach ist, dann schaue ich nach, was das für eine Nachricht das war. Meistens ist mir nicht danach.

„Das kann ich nicht,“ sagt er, „ich muss immer darauf schauen“, sagt er. Sagt er nicht, er sagt gar nichts aber sein Blick verrät, dass er mich für einen Dummschwätzer hält.

Ich blöder Affe sage aber trotzdem was ich denke, weil ich denke, dass es ein kluger Tipp sein könnte, der das Leben meines Freundes verbessern könnte. Aber statt das zu erreichen, ernte ich nur noch mehr blöde Blicke, die mir die Lebensfreude noch Tage später um ein viertel Grad abkühlen, wenn ich daran denke.

Darum habe ich das jetzt aufgeschrieben und eine Geschichte daraus gemacht. Ab jetzt kann ich mich über die Erinnerungen an die blöden Blicke freuen, weil daraus eine Geschichte geworden ist und Geschichten habe ich gerne.

Und falls irgendjemand irgendwann wissen will, wie mein kleiner Trick geht, mit dem man Telefone einfach piepen lassen kann, der kann ja fragen.

TV is Easy

Es ist schon ein paar Jahre her, da habe ich zusammen mit einem Freund auf einem Festival in Barcelona ein Fernseh-show-format ‚ge-pitched‘. Das heißt wir durften unsere Idee Fernsehproduzenten aus ganz Europa präsentiert. Die Veranstaltung war wie ein Wettbewerb aufgebaut mit Bühne, Publikum und allem. Unsere Idee war eine von vieren. Ich glaube, wir wurden letzter. Anschließend kamen ein paar Leute aus dem Publikum auf uns zu und sagten, dass das Projekt das beste gewesen sei …(*)

Ich muss sagen, ich habe lange nicht verstanden, warum unsere Idee nicht angenommen wurde, ich glaube es hätte wirklich das Potential gehabt, mittels Fernsehen (und Internet) die Welt weiterzubringen.

Eine Fernsehproduzentin mit der ich ein paar Monate später einen Abend lang auf einem anderen Festival rumhing hat es mir dann erklärt:

Egal welche Show im Fernsehen produziert wird, sie hat immer ein Element, wie ein Gewürz, das in keinem Gericht fehlen darf, ein Gewürz nach dem jeder TV-Show schmeckt. Alles ohne dieses Element haben keine Chance. Man habe in der Zuschauerforschung zweifelsfrei herausgefunden, dass keine Show Erfolg haben kann, die dieses Element nicht hat. So schön Euer Projekt auch ist, es fehlt ihm dieses Element.

Was dieses Element ist? Ich glaube es ist wichtig, dass man sich jedes Mal, wenn man eine Show im TV sieht, oder ein Gespräch über eine TV-Show hört, oder über eine Fernseh-Sendung liest, folgendes aufsagt:

Ein Zuschauer vor dem Fernsehen soll sich immer besser fühlen als die, die im Studio vorgeführt werden.

Ich glaube das sollte man wissen, denn es erklärt vieles. Nicht nur im Fernsehen.

 

 

(*) seiner Zeit weit voraus. Das höre ich seit zwanzig Jahren in regelmäßigen Abständen. Vermutlich ist daran was dran, aber wenn dem so ist, dann kann ich aus meiner Erfahrung sagen, wer der Zeit zu weit voraus ist ändert gar nichts. 😉

Meinung macht blind

Wenn ich sage: „Ich habe zu nichts eine Meinung“, dann lachen die Leute meist und sagen: „Aber du hast doch zu allem eine Meinung.“ Die meisten regelmäßigen Leser meines Blogs scheinen diese Ansicht zu teilen, zumindest schliesse ich das aus den Äusserungen jener, die sich äußern.

Richtiger wäre zu sagen: „Es gelingt mir immer öfter keine Meinung zu haben“. Denn ich kann nur keine Meinung zu etwas haben, wenn ich mich konzentriere. Es ist unmöglich, sich auf alles zu konzentrieren. Es sind also nur ausgewählte Dinge, zu denen ich keine Meinung habe, zum Beispiel die Dinge, über die ich auf diesem Blog schreibe. Ich schreibe nicht (zumindest nicht mehr) über Dinge, die ich meine. Ich bemühe mich statt dessen die Dinge zu beschreiben, die ich sehe. Auch wenn ich selbst anderer Meinung bin, auch wenn sie mir selbst nicht ins Denken passen. Denn ich gebe nichts mehr auf meine Meinung.

Zu allem, was mir wichtig ist und worauf ich mich, seit ich gelernt habe keine Meinung mehr zu haben, konzentriert habe, habe ich keine Meinung.

Zu allem anderen habe ich noch ein Meinung und es ist das meiste.

Eine Meinung zu haben scheint der Default-Modus des Menschen zu sein und zwar in dem Masse in dem der Mensch Sprache entwickelt. Sprache ist Meinung. Das würde auch erklären, warum Meinung sich so gut in Sprache ausdrücken lässt, keine Meinung hingegen so schwer in Worten zu fassen ist und die in Worten ausgedrückte keine Meinung so zuverlässig zu Missverständnissen führt.

Seit ich angefangen habe, Dinge zunehmend ohne Meinung zu betrachten, sehe ich immer mehr. Denn ich sehe nicht nur das, was ich meine, sondern ich sehe auch das, was ich nicht meine. Und ich sehe das, was ich nicht meine so real, wie das was ich meine. Ich kann das, was ich nicht sehen will  also gar nicht mehr verleugnen und ich will es auch nicht. Denn die Welt ist viel größer und wahrer wenn ich nicht nur das wahrnehme, was ich meine, sondern auch das, was ich nicht meine, nicht denke, nicht wahrhaben will.

Und mit jedem mal indem es mir gelingt, das, was ich nicht meine genauso gut zu sehen, wie das, was ich meine, wird Meinung immer mehr irrelevant, uninteressant, unerstrebenswert. Denn Meinung lässt die Welt auf den Ausschnitt der eigenen Meinung kollabieren.

Keine Meinung lässt viel mehr sehen.

Große und kleine Tiere

Es mag am katholische liegen, oder daran, dass man ganz allgemein an Gott glaubt, ans Himmelreich, wo man unbedingt hinkommen will und wo ein Kamel durchs Nadelöhr passen muss. Da wo ich herkomme hat man es sich jedenfalls zur Angewohnheit gemacht, sich klein zu machen. Allerdings nur denjenigen gegenüber, die größer sind. Man gibt sich bescheiden und stellt im Zweifelsfall sein Licht unter den Scheffel. So habe ich es von meinem Vater gelernt.

Im Ausgleich zeigt man, was man ist, gegenüber denen, die kleiner sind – oder allerhöchstens gleich groß. Gegenüber den Nachbarn, zum Beispiel, oder gegenüber den Mitarbeitern. Man mäht den Rasen, zeigt sich am Sonntag im Anzug, stellt sich ein frisch gewaschenes Auto vor die Tür. „Was sollen sonst die Nachbarn denken?“, war immer die Frage. „Was will man, dass die Nachbarn über einen denken?“ wäre die richtige Frage gewesen. Und man wollte: bloss keine Schwäche zeigen!

Doch das ist eine törichte Strategie. Erst viel, viel später und erst lange nachdem ich den Glauben an Gott abgelegt hatte und auch nicht mehr insgeheim ins Himmelreich wollte, habe ich erkannt: man sollte es genau anders herum halten. Sich groß gegenüber denen machen, die groß sind. Gegenüber den Doktoren, den Professoren, all jenen, die klüger sind als man selbst. Man sollte sich groß machen denjenigen gegenüber, von denen man lernen will. Nicht, dass man sich aufblasen sollte, denn wer übertreibt wirkt lächerlich und wird nicht ernst genommen. Man sollte sich zeigen, so wie man ist. Seine Stärken hervorheben und stark genug sein, die Schwächen nicht kaschieren zu wollen, sondern sie statt dessen weithin sichtbar machen.

Das Zeigen der Stärken öffnet die erste Tür: Zu denen, die sich entscheiden müssen, wem sie ihre Aufmerksamkeit schenken wollen. Denn denen gegenüber muss man sich erst sichtbar machen. Man muss sie erst einmal überzeugen, dass es sich lohnt, überhaupt die Aufmerksamkeit auf einen zu richten.

Die Schwächen zu zeigen hingegen öffnet die zweite Tür: Man ermöglicht es denen von denen man lernen will zu erkennen, wo sie am effektivsten helfen können.

Den Kleinen gegenüber sollte man sich hingegen bescheiden geben. So, dass sie nicht eingeschüchtert und ohne Bedenken ehrlich sprechen können.

Wenn das gelingt kann man von allen lernen, von den großen und von den kleinen Tieren.

Ein kleiner Text der das Leben verändert

Es liegt an Dir, du hast zwei Möglichkeiten diesen Text zu lesen. Entweder Du nimmst ihn an, konzentrierst Dich darauf, erforscht ihn und das nicht nur heute, Du machst es zur Gewohnheit über diesen Text zu reflektieren. Dann wird dieser Text Dein Leben verändern.

Oder, Du legst ihn zur Seite, vergisst ihn. Dann wird Dein Leben in  gewohnten Bahnen verlaufen.

Wenn Du diesen Text erforscht, wird er zu einer Tür, eine Tür in eine andere Realität. Dabei ist dieser Text ist nicht die einzige Tür zu dieser anderen Realität.

Es gibt viele Türen, vielleicht unendlich viele Türen und doch finden die meisten ihr Leben lang keine. Dabei kann alles mögliche Tür sein. So wie dieser Text, wenn man seine Aufmerksamkeit darauf richtet, es sich zur Gewohnheit macht, diesen Text nicht vergisst und sich immer wieder darauf konzentriert. Vieles kann Tür sein. Doch es ist nicht die Tür, es ist das durch die Tür gehen, das einen in die andere Realität bringt.