IKEA vs Jugendstil

Ich habe einen Schrank gekauft – im Internet. Ich habe ihn bestellt und bekam ihn schon am nächsten Tag. 4 – 6 Wochen dauere die Lieferung, stand auf der Website. Nachdem ich den Schrank bestellt hatte, fragte ich per Email, ob eine Lieferung vielleicht noch in diesem Monat möglich sei. Daraufhin vibrierte mein Telefon. Es war der Verkäufer – der Spediteur sei gerade da, er könnte ihm den Schrank mitgeben, dann hätte ich ihn schon am nächsten Tag. Ob das für mich passen würde?

Es passte und der Fahrer rief mich am nächsten Tag mehrere Male von unterwegs aus an, um mir aktualisierte Ankunftszeiten durchzugeben. DPD hat eine App, mit der man verfolgen kann, wo ein Paket, sich gerade befindet. So ähnlich war das mit meinem Schrank, nur ohne App. Als der Fahrer kam, war er nicht in Eile und ich unterhielt mich ein wenig mit ihm. Der Fahrer kam gerade aus in Leipzig, am nächsten Tag würde er nach Hamburg fahren, er habe Verwandte in Berlin, bei denen er übernachte.

Der Schrank kam in 7 Teilen. Die Teile waren in Decken gepackt, die der Fahrer wieder mitnahm. Er reichte mir die Teile einzeln von der Ladefläche des Transporters. Ich trug sie ins Haus. Kein Problem. “Wie baut man den Schrank zusammen?” fragte ich. “Das bekommen Sie schon hin” sagte der Fahrer und verschwand in der Nacht.

Zuerst ging ich meiner Frau etwas essen. ½ Liter Rotwein und 3 Ouzo später machte ich mich daran, den Schrank zusammenzubauen.

Ich habe in meinem Leben schon zahlreiche Ikea-Schränke zusammengebaut. Ungelogen: Nach 5 Minuten hatte ich diesen Schrank fertig. Meine Frau hatte sich in dieser Zeit eine Tasse gemacht.

Vier Schrauben geben dem Schrank halt. Es sind massive Eisenschrauben die man mit einem Nagel festzieht. Der Schrank ist wunderschön. Er ist fast 100 Jahre alt.

Ich war bisher im Glauben, Ikea hätte die genialsten Konstruktionen, Ikea sei effizient und günstig und gut gestaltet.

Der Schrank, den ich gekauft habe, kostete nicht mehr als ein Schrank von Ikea. Er ist ist bewundernswert materialeffizient konstruiert. Es gibt keine Aufbauanleitung auf Papier. Die einzelnen Teile sind die Aufbauanleitung. Das Verpackungsmaterial, das ich am Ende entsorgen musste war ein kleine Plastiktüre für die 4 Schrauben und den Schrankschlüssel.

Der Spediteur war ein Mensch, der nicht sofort zum nächsten Termin hetzen musste. Der Verkäufer war ein Mensch, der ruhig und freundlich am Telefon sprach. Dieser Schrank ist so schön, er wird mich wohl überleben, und vermutlich ist er so günstig weil er vor mir schon Generationen von Schrankbesitzern überlebt hat.

Meine Ikea-Schränke werden den nächsten Umzug nicht überstehen, darauf hat mich der Möbeltransporteur schon bei meinem letzten Umzug hingewiesen. Der Grund: ich hatte die Schränke entsprechend der Montageanweisung von Ikea aufgebaut – das hat sie beschädigt.

Und selbst wenn mich meine Ikea-Schränke doch überleben sollten. Wer will schon einen alten Ikea-Schrank?

LIFE ACCORDING TO KORSAKOW – PODCAST – WIE WIR GESCHICHTEN ERZÄHLEN

LIFE ACCORDING TO KORSAKOW
– Die Art wie wir Geschichten Erzählen

(this podcast is in German)

Wie uns die Art, wie wir Geschichten erzählen blind macht, für die Welt. Ein Vortrag, den Florian Thalhofer am 11. Oktober 2016 anläßlich der #DKT16 in der Humboldt Universität in Berlin hielt. 

Music by Jim Avignon / Neoangin and Ilja Pollach, Cologne.

 

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LIFE ACCORDING TO KORSAKOW – PODCAST – Stories Make Life

Episode II – Stories Make Life

This episode is in English.

Episode II is about story telling. How stories shape out lifes, what Florian found in Egypt and the influence of the Hollywood format.

Music by Jim Avignon / Neoangin and Ilja Pollach, Cologne.

 

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LIFE ACCORDING TO KORSAKOW – PODCAST – Bilder und Realitäten

Episode IV – Bilder und Realitäten

Episode IV is the first podcast we recorded for this series. Accidentally it happened in German. Future episodes will be in English.

Menschen lieben es, Geschichten zu hören und zu erzählen. Doch es ist viel mehr als nur ein Vergnügen, es ist die Grundlage des Mensch seins selbst. Menschen erzählen sich Geschichten und das unterscheidet sie von allen anderen Lebewesen. Menschen haben die Fähigkeit entwickelt zu erzählen, dadurch können sie Erfahrungen weitergeben, so dass das, was ein Mensch gelernt hat, nicht verloren sein muss, wenn er stirbt. Er kann seine Erkenntnisse – zumindest ein Stück davon – weitergeben. Und der, der empfängt, kann von Erfahrungen profitieren, auch wenn er sie selbst nie gemacht hat.

Aus zwei weiteren Gründen erzählen die Menschen Geschichten:
Indem die Menschen miteinander reden, justieren sie ihre Sinne. Sie können überprüfen, ob das, was ihre Augen zeigen, was ihre Ohren hören, mit dem übereinstimmt, was andere wahrnehmen. Und wenn sie sich ein Mensch erzählen läßt, was ein anderer sieht, kann er damit seine Sinne erweitern. Er kann Dinge wahrnehmen, die viel zu weit weg sind um sie selbst zu hören, zu sehen, zu riechen oder zu fühlen.

Der Austausch erfolgt in Worten, in Sätze gepackt und oft mit Bildern in Geschichten zu Paketen geschnürt. Geschichten können verschiedene Formen haben. Wie die Pakete, die man mit Post verschickt, in Normgrößen eingeteilt sind. Die Größe der Pakete und die Art, wie sie gepackt sind, geben vor, was sich darin transportieren läßt. Von einem Hirn ins andere.

Geschichten können eine Reihe von Sturkturen haben und diese Strukturen eignet sich, eine Vielzahl von Dingen auszudrücken. Doch manchmal versagen die bekannten Strukturen, nicht alles läßt sich in Worten sagen. Diese Lücken des Erzählers gilt es zu erforschen.

Life according to Korsakow untersucht in einer Reihe von Podcasts diese Lücken des Erzählens. Jasper Eikmeier im Gespräch mit Florian Thalhofer, dem Erfinder des Korsakow Systems, einer Software mit der sich auf eine neue Art Geschichten bauen lassen.

Life according to Korsakow – über die Grenzen des Erzählens.

Mit Musik von Jim Avignon / Neoangin.

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Kunst ist nicht Design

Die Frage, was Kunst und was Design ist, hat mich früher oft irritiert. Dabei ist es eigentlich ganz einfach.

DESIGN

Beim Design geht es um die Kommunikation eines Auftraggebers mit dem Publikum. Der Auftraggeber einer Werbung für Turnschuhe, beispielsweise, möchte dem Publikum vermitteln, dass es bestimmten Schuhen Wertschätzung entgegenbringen soll. Das Design der Werbung, zusammen mit dem Design des Produkts, soll erreichen, dass das Publikum diese Schuhe kauft, oder die Trägern dieser Schuhe beneidet.

Oder: der Auftraggeber für die Beschilderung eines Flughafens möchte, dass das Publikum sich auf dem Flughafen nicht verloren vorkommt. Gutes Design ist konzentriert und effektiv. Das beste Design ist das, was sein Ziel so effektiv wie möglich erreicht. Wenn also das Ziel eines Turnschuhherstellers ist, seine Produkte als cool und jugendlich darzustellen, dann ist das Design das beste, dass dieses Ziel am direktesten erreicht. Wenn der Betreiber eines Flughafens die Flugpassagiere auf haarsträubenden Umwegen (und an möglichst vielen Flughafenshops vorbei) zu ihrem Flugsteigen leiten möchte, ohne das sich die Passagiere verwirrt oder veräppelt vorkommen, dann ist das Design das beste, das eben dieses Ziel erreicht. Im Falle des Flughafens ist also das beste Design nicht das, was die Passagiere am schnellsten zum Ziel bring. Das wäre aus Sicht der Passagiere sicherlich wünschenswert, deckt sich aber oft nicht mit den Interessen des Flughafenbetreibers und der ist es, der die Beschilderung in Auftrag gibt.

Design dient dem Auftraggeber.

Der Designer stellt sich in dessen Dienst.

Das beste Design ist das, was das Ziel des Auftraggebers am effektivsten erfüllt.

KUNST

Ziel von Kunst ist es, das Publikum zu inspirieren. Es zum Denken anzuregen. Nicht das Publikum als ganzes, sonder jedes einzelne Individuum (wenn es sich darauf einlassen möchte, oder kann). Es geht in der Kunst nicht darum, vorzugeben, was der Betrachter denken sollen (das wäre Design) sondern einen ergebnisoffenen Denkprozess anzuregen. Es gibt Gemeinsamkeiten: Kunst und Design streben nach der effektivsten Form der Kommunikation und arbeiten meist mit den gleichen Materialien. Doch es gibt Unterschiede: Design möchte so effektiv wie möglich ein vorgegebenes Ziel erreichen, Kunst darf kein konkretes Ziel haben und strebt allgemein Inspiration an. Bei dem Design ist da, was im Kopf des Betrachters vorgehen soll eng umrissen, bei der Kunst ist der Bereich dessen, was im Kopf des Betrachters vorgehen kann, viel, viel weiter.

Kunst hat kein vorgegebenes Ziel sondern möchte so effektiv wie möglich inspirieren.
Auch Kunst arbeitet mit den Mitten der Kommunikation. Es geht um die Kommunikation mit dem Publikum. Man könnte nun meinen, es geht um die Kommunikation des Künstlers mit dem Publikum. Doch darum geht es nicht. Ginge es darum könnte man sagen, der Künstler definiert das Ziel und beauftragt dann einen Designer der die effektivste Form findet, um eben dieses Ziel zu erreichen. Der Künstler würde also Auftraggeber des Designers und dies eventuell in Personalunion(*). Der Künstler ist demnach nicht derjenige, der mit dem Publikum kommuniziert, da er sonst lediglich in die Rolle des Auftraggebers in einem Designprozess tritt.

Wer oder was ist es dann, der mit dem Publikum in Kommunikation tritt?

Es ist die Kunst selbst. Also das Werk (es kann ein Bild sein, ein Musikstück, ein Text, ein Tanz). Es geht nicht um den Künstler. Das Werk muss für sich selbst stehen können. Es muss die Kraft haben, die ein Kunstwerk ausmacht: Die Kraft, den Betrachter zu inspirieren.

Kunst unterwirft sich nicht dem Ziel eines Auftraggebers. Kunst geht über das hinaus, was der Künstler ist oder denkt. Kunst inspiriert (zu freier Assoziation). Design animiert (zum Kauf, zum Spende, zum sich gut fühlen, zum Orangen auspressen (**)).

Bei beidem geht es um Kommunikation mit einem Publikum.

Bei beidem, Design und Kunst gilt, dass die Kommunikation so effektiv wie möglich sein muss. Bei beidem ist ein Qualitätsmerkmal: Kein Firlefanz, keine Ablenkung vom Eigentlichen.

(*) Sicherlich wird heutzutage vieles, was als Kunst verkauft wird nach diesem Muster produziert. Diese Kunst arbeitet in dem Bereich, in dem sich Design und Kunst überlappen, es lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob es sich um Kunst oder Design handelt. (Und so lange diese Diskussion als hinreichend inspirierend empfunden wird, ist es wohl Kunst).

(**) Zb. beim Produktdesign.