Fragen

“Kommt aus der Steckdose genauso viel Strom, wie aus dem Ladegerät von einem Computer?”, will meine Therapeutin wissen. Ich fange an zu erklären, von Spannung und Stromstärke, von Volt, Ohm und Ampere. Eigentlich habe ich keine Ahnung von Strom, das habe ich schon in der Schule nicht kapiert.

Wenn ich es nicht verstanden hätte, warum habe ich dann nicht meine Lehrer gefragt, will die Therapeutin wissen.

“Eine ausgezeichnete Frage!”, antworte ich, um etwas Zeit zum Überlegen zu bekommen. “Nun ja, die Lehrer haben es ja erklärt, obendrein stand es in den Schulbüchern, ich habe es aber trotzdem nicht verstanden. Nochmal nachzufragen kam mir gar nicht in den Sinn, ich dachte, die Lehrer würden sonst nur denken, ich sei dumm. Sei ich ja auch irgendwie gewesen, denn ich wusste ja nicht, wie das mit dem Strom funktioniert… Und faul war ich ausserdem, die Texte in den Schulbüchern überflog ich allenfalls, immer in der Überzeugung, ich würde sie ohnehin nicht verstehen. Man bekam Punkte, wenn man richtige Antworten gab. Fragen hingegen wurden nicht belohnt. Ich hatte immer den Eindruck, dass Fragen Lehrer ärgerten, weil es ja Fragen waren, zu Dingen, die sie schon erklärt hatten. Heute denke ich, dass die Fragen die Lehrer vielleicht deshalb ärgerten, weil sie die Fragen als Vorwurf nahmen, es nicht richtig erklärt zu haben. Und so lernte ich, den Lehrern zu gefallen, indem ich keine dummen Fragen stellte und lernte, wie ich Punkte bekam, indem ich so tat, als hätte ich verstanden.”

“Es dreht sich in Ihren Gedanken alles immer nur um Sie”, sagte meine Therapeutin und es dauerte eine Weile bis ich verstand.

Schon in der Schule war ich sehr damit beschäftigt, mir ständig zu überlegen, wie andere mich sehen. Statt zu lernen beschäftigte ich meinen Kopf damit, Prognosen zu erstellen, was meine Lehrer von mir denken würde. Ich hatte Angst, mich zu blamieren. Und so war ich die ganze Zeit so sehr mit mir selbst beschäftigt, dass ich darüber vergaß, Fragen zu stellen.

Nonsense

The old do not understand what the young do. And because the elders have learned so many things in their long lives and know so much, and yet all this knowledge cannot really explain what the young do, the elders are at a loss for a moment. And then the old people explain that what the young are doing as nonsense.

The young themselves cannot really explain what they are doing, either. The young have not yet found the right words. Because it takes a long time to find the right words. Finding the right words to describe something new, something that did not even exist in the past, takes years and decades. So the young cannot yet have words to describe the new. But the young feel that what they are doing is not nonsense.

They just don’t have the words to explain to the monkeys, who need words to understand.

 

Blödsinn

Die Alten verstehen nicht, was die Jungen machen. Und weil die Alten in ihrem langen Leben schon so viel gelernt haben und so viel wissen und all das Wissen trotzdem nicht recht erklären kann, was die Jungen machen, sind die Alten einen Augenblick ratlos. Und dann erklären die Alten das, was die Jungen da machen zu Blödsinn.

Die Jungen können auch nicht nicht so recht erklären, was sie da tun. Die Jungen haben noch nicht die richtigen Worte gefunden. Denn die richtigen Worte zu finden, um etwas neues, also etwas, was es vor kurzem noch gar nicht gab, zu beschreiben, dauert lange. Es dauert Jahre und Jahrzehnte. Die Jungen können also noch gar keine Worte haben, um das Neue zu beschreiben. Doch die Jungen spüren, dass das, was sie da machen, kein Blödsinn ist.

Sie haben nur die Worte nicht, um den Affen zu erklären, die Worte brauchen um zu verstehen.

The kids are wiser than their parents

The generation of the children is wiser than that of the parents. The children are able to understand more complex interrelations and their urgency. And not only that, the children also have the ability to organize themselves so that they can draw worldwide attention to the problems they have identified to create the pressure to act.

The elders never really understood what MySpace, Facebook, Instagram, YouTube or Snapchat were all about. Suddenly it becomes clear what motivates the children to become so intensely involved with the Internet and all the new forms of media. Why screaming teenagers worship YouTube influencers who became famous for makeup tips and other nonsense. It isn’t about what these Influencers were talking about, it is fascinating how they do it. Some kids are able to get across the new communication channels better than others. And those who do is best are taken as role models. The stars have something up their sleeve that the others want to learn. And within a few years, children were able to develop the ability to communicate through electronic media at an intensity never before seen in human history.

Communication is the exchanging of information. And that works in both directions. This is immediately clear to the kids, where as we, the older generation, had to go to universities to learn it as theoretical knowledge. Kids use the net, which didn’t even exist in our time, not only as a broadcasting facility that can reach millions of people, but also as a source from which they draw their information. And also in this respect they are vastly superior to the old. While the majority of the elders still get caught up in echo-chambers, which leads to the loudest screaming idiots being chosen as political leaders, the kids (who themselves are still too young to vote) use the same net to acquire a more comprehensive understanding of the true concerns of the world.

I’m not talking about the one kid in your head who only sits in front of a computer all day playing computer games. I’m talking about the entirety of the kids who have also learned to play networked computer games and are now able to use the net in a way that is still incomprehensible to us older people. Instead of playing with networked computers, we played with Lego bricks as kids and became great engineers.

With the technology that the engineers of the parents’ generation have built, the kids today develop the consciousness to recognize the big pending problems, to differentiate them from the less important issues and to act purposefully and in the required haste. And from the point of view of a representative of the parents’ generation, I can only be amazed at how quickly the kids managed to select representatives from their ranks and to charge them with so much weight in such a short period of time that they are in a position to represent their common interests in the world’s highest bodies. And not only at eye level (which would be remarkable enough in itself) – these representatives with their 16 years of age are brighter, more thoughtful and in every respect wiser than the representatives of the generation that is currently running the world out of control.

Die Kinder sind weiser als ihre Eltern

Die Generation der Kinder ist weiser als die der Eltern. Die Kinder sind in der Lage komplexere Zusammenhänge wahrzunehmen und deren Dringlichkeit zu verstehen. Und nicht nur das, die Kinder besitzen auch die Fähigkeiten, sich so zu organisieren, dass sie weltweite Aufmerksamkeit auf die von Ihnen erkannten Probleme lenken können um Handlungsdruck zu erzeugen.

Die Alten haben nie recht verstanden, was es mit MySpace, Facebook, Instagram, YouTube oder Snapchat auf sich hat. Auf einmal wird klar, was die Kinder bewegt, sich derart intensiv mit dem Internet und all den neuen Medienformen zu befassen. Warum Teenager kreischend YouTube-Influencer verehren, die über Schminktips und anderen Nonsens zu Ruhm gelangten. Es geht gar nicht darum worüber die Influencer sprechen, das faszinierende ist, wie sie es tun. Einigen Kids gelingt es besonders gut über die neuen Kommunikationsmedien rüberzukommen als anderen. Und diejenigen, denen es am besten gelingt, werden zu Vorbildern. Die Stars haben etwas voraus, von dem die anderen lernen können. Und so haben die Kinder innerhalb weniger Jahre die Fähigkeiten entwickelt, über elektronische Medien in einer Intensität zu kommunizieren, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Kommunikation ist Informationsaustausch. Und der funktioniert in beide Richtungen. Das ist den Kids auf Anhieb klar, wir Alten mussten auf Universitäten gehen, um das als theoretisches Wissen zu lernen. Die Kids benutzen das Netz, das es zu unserer Zeit noch gar nicht gab, nicht nur als Sendeeinrichtung, über das sich millionenfaches Publikum erreichen lässt, sondern auch als Quelle, aus der sie ihre Informationen ziehen. Und auch darin sind sie den Alten haushoch überlegen. Während sich das gros der Alten noch in Echo-Chambers verfängt, was dazu führt, dass die am lautesten schreienden Idioten zu politischen Führern erkoren werden, nutzen die Kids (die selbst noch zu jung zum Wählen sind) das selbe Netz, um sich ein umfassenderes Verständnis für die Belange der Welt anzueignen.

Ich spreche hier nicht von dem einen Kid, das Sie im Kopf haben, das den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt und nur Computerspiele spielt. Ich spreche hier von der Gesamtheit der Kids, die auch vernetzte Computerspiele zu spielen gelernt haben und nun in der Lage sind, das Netz auf eine Art zu nutzen, die uns Alten nach wie vor unbegreiflich ist. Statt mit vernetzten Computern spielten wir als Kinder mit Legosteinen und wurden prima Ingeniere.

Mit der Technik, die die Ingenieure der Elterngeneration gebaut hat, entwickeln die Kids heute das Bewusstsein, die grossen anstehenden Probleme zu erkennen, von den unwichtigeren Themen zu unterscheiden und in gebotener Eile zielgerichtet zu agieren. Und aus Sicht eines Vertreters der Elterngeneration kann ich nur staunen, wie rasend schnell die Kids es geschafft haben, Vertreter aus ihren Reihen zu küren und in kürzester Zeit mit derart viel Bedeutung aufzuladen, dass sie befähigt sind, in den höchsten Gremien der Welt die gemeinsamen Belange zu vertreten. Und das nicht nur auf Augenhöhe (was an sich schon bemerkenswert genug wäre) – diese Vertreter mit sind mit ihren 16 Jahren klüger, bedachter und in jeder Hinsicht weiser als die Vertreter der Generation, der die Welt offenbar gerade aus dem Ruder läuft.