Korsakow and all – Interview in Portugal

Entrevista a Florian Thalhofer

Florian Thalhofer is a Berlin-based Artist. He is a documentary filmmaker and the inventor of Korsakow, a software to create a new kind of film and a principle to create a new kind of story. Thalhofer is currently working on a new Korsakow-project (film, show and installation).

Interview by Manuel José Damásio @ Universidade Lusófona.
Recorded Dec 4, 2014

Originaly posted here: http://www.ulusofona.pt/lessons/florian-thalhofer

Die Story macht blind

In Prag. In meinem Hotelzimmer sehe ich Fern. Es gibt nur wenige deutsche Kanäle, ich bleibe bei RTL oder RTL II hängen. Es ist früher Nachmittag, es läuft eine Reality TV Serie. Eine Mutter lebt mit ihrer Tochter bei einem neuen Mann, der einen Sohn im Alter der Tochter hat. Im Verlauf der Sendung kommt heraus, dass der Sohn die Tochter missbraucht und bedroht hat, doch sie sagt es der Mutter nicht, weil sie nicht das Glück der Mutter mit dem neuen Mann gefährden will.

Die Geschichte ist voll von Klischees, schlecht erzählt, furchtbare Schauspieler. Ein durchsichtiges Unterfangen, und dennoch:

Ich breche in Tränen aus. Die Macher der Geschichte ziehen alle Register und ich funktioniere. Ich sehe selten Filme, ich sehe so gut wie nie fern. Ich bin dem wie wehrlos ausgeliefert.

Ich bin zu einem Dokumentarfilmfestival nach Prag eingeladen, wo ich über Korsakow spreche und darüber, wie “Story” uns davon abhält, die Welt wahrzunehmen.

Wenig später treffe ich auf dem Festival eine Frau. Sie ist die Produzentin eines Films. Der Film hatte am Vortrag Premiere. Es ist ein Film über den Bürgerkrieg, der gerade in Syrien stattfindet. Die Frau erzählt mir, wie die Filmemacher monatelang in einer von den Regierungstruppen belagerten Region verbrachten, wie sie das Grauen des Krieges, das Sterben der Menschen erlebten und beobachteten. Ein wichtiger Film, zweifellos.

Der Raum, in den wir stehen ist laut, viele Menschen um uns herum, die Luft ist stickig, ich bin abgelenkt. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren. Meine Gedanken schweifen ab, das Sterben der Menschen in Syrien ist weit weg. Ich denke an die Mutter und ihre Tochter auf RTL II. Deren Geschichte hält meine Gedanken gefangen.

Meine Mitgefühl ist okkupiert von einer künstlichen Geschichte.

Die Welt ist so Komplex, wie es in einen Kopf hineinpasst

2015-08-PHA-7sons

Vor etwa 10 Jahren habe ich einen Text zu einem Projekt von mir geschrieben. “7Sons” ist einen Dokumentarfilm über eine Reise zu den Beduinen. Darin der Satz:

“The Beduins’ world is small, much less complex than the modern world, the world of Thalhofer and Hamdy.”

Vor kurzem wurde ich in einem Interview mit dieser, meine Aussage konfrontiert. Ich sagte, dass ich mir nicht vorstellen könne, jemals so einen Unsinn gesagt zu haben.

Nun, ich habe diesen Satz geschrieben. Er ist dumm und arrogant und ich möchte im folgenden versuchen, zu erklären, warum:

Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der über sich gesagt hätte, er lebe in einer einfachen und überschaubaren Welt. Allerdings habe ich schon Menschen getroffen, von deren Leben ich genau dies dachte. So dachte ich damals auch über die Beduinen, dass deren Leben einfach sei und ihre Welt wenig komplex. Ich war schlicht und ergreifend unfähig, die Welt der Beduinen in ihrer Komplexität zu überschauen. Ich hatte (und habe) keine Ahnung, was es bedeutet, ein Beduine zu sein. Und ich beging einen Fehler, den man leicht begeht und den viele begehen, wenn sie wenig Ahnung von etwas haben. Ich dachte, dass das, was ich sehen kann, das ist, was ist.

Und ich konnte verdammt wenig von dem sehen, was die Welt eines Beduinen ausmacht. Da ich ja dachte, dass das, was ich sehen kann, das ist, was ist, folgerte ich, die Welt der Beduinen sei einfach. Ich war blind für einen riesigen Bereich, und meinte deshalb, es gibt ihn nicht. Das ist Dummheit, denn ich hätte durch wenig Nachdenken erkennen müssen, dass ich nur einen winzigen Ausschnitt sehe. Ich habe nur wenige Wochen mit den Beduinen verbracht und kam aus dem Lernen gar nicht heraus. Doch ich war so arrogant zu denken, dass mein Blick auf die Welt der Beduinen, die Welt der Beduinen gänzlich erfassen könne.

Die Welt, die uns umgibt, ist vielleicht unendlich kompliziert und wird wohl nie völlig zu verstehen sein. Vielleicht ist sie auch endlich kompliziert, in jedem Fall ist sie um ein vielfaches komplizierter, als es in einen Kopf hineinpasst – als es sich mit einem Hirn verstehen lässt.

Umgekehrt könnte man sagen, aus der Sicht eines Menschen ist die Welt immer so komplex, wie es sich in seinem/ihrem Hirn abbilden lässt. Alle Menschen sind mit ziemlich genau der selben Hardware ausgestattet (dem Hirn). Die Abweichungen zwischen den Hirnen unterschiedlicher Menschen sind marginal. Man kann also sagen, die Komplexität der Vorstellung der Welt, ist durch das Fassungsvermögen eines menschlichen Hirns definiert ist. Damit ist die Welt eines Beduinen genauso komplex ist, wie die Welt eines Bewohners von Los Angeles. Die Welt eines klugen Beduinen genauso komplex wie die Welt eines Atomphysikers, der an der UCLA unterrichtet.

Wir gehen allerdings eher davon aus, dass unsere Welt, mit ihren Smartphones, Computern, Atomuhren die Krönung der Komplexität ist.

Der Bereich, der von einem Beobachter nicht gesehen werden kann (z.B. die Welt der Atomphysik) wird bei dem Professor aus Amerika gemeinhin bewundert, beim Beduinen aus dem Sinai hingegen ignoriert. Der kluge Beduine lächelt über diese Ignoranz.

Doch genau in diese Falle bin ich getappt, als ich die Welt der Beduinen als klein und wenig komplex beschrieb. Es geht hier nicht darum, eine Wertung zu treffen, welches Modell der Welt (das eines Atomphysikers in LA oder das eines Beduinen in der Wüste) das bessere sei. Meiner Meinung nach (falls das von Interesse sein sollte) ist das naturwissenschaftlich, aufgeklärte Denken aus vielen Gründen besser als das religiös geprägte Denken. Es ist nur nicht mehr oder weniger komplex.

Das zu denken, ist dumm.

Good Morning America – Good Night Europe!

2007 habe ich meine letzte große Forschungsreise in die USA unternommen. Ein grossspuriger, hinterwäldlerischer Präsident regiert das Land, provinzielle, religiöse Argumente bestimmen die Diskussion. Bald würde ein Zaun zu Mexiko errichtet werden, in den USA lebt ein großer Teil der Bevölkerung ohne Krankenversicherung. Die Mitte des Landes, voll von Gefängnissen und Kasernen und Menschen, die in Holzhäusern in Wäldern leben. Diese Mitte des Landes bestimmt das Denken. Nach dem 9-11 Schock war man dabei, einen paranoiden Überwachungsstaat aufzubauen, die vormals die Welt beindruckenden, amerikanischen Werte schienen nicht mehr zu gelten. Schon bald würde der amerikanische Kasino-Kapitalismus, die egoistischen Kräfte einzelner, die Welt erschütterten, in den USA ganze Großstädte verelenden. Der Abstieg Amerikas ist bereits in vollem Gang. Wo sind die Stimmen der Intellektuellen, der visionären Vordenker? Apple, Google, Facebook werden die Vorreiter einer eher gruslige neue Religion, deren vorrangiges Ziel es scheint, schnell unermesslich reich zu werden.

Ich war immer fasziniert von den USA und schockiert, wie die Dummheit dort immer mehr um sich griff. Die USA war stets ein Land der Extreme, das die größte Ignoranz und Weisheit vereint. Und dennoch, in diesen finsteren Jahren durfte ich viele der besten Universitäten des Landes besuchen, wurden mir dort Türen geöffnet, wie es mir in Europa nie passierte und ich traf dort überall fantastische, offene, beeindruckende und wache Geister, wie ich sie (Zufall oder nicht) in Europa selten fand. Wo waren diese Menschen, wenn es darum ging, die Politik in den USA zu beeinflussen?

Das Pendel schwingt in die falsche Richtung, so empfand ich es 2007, als ich durch die USA reiste, am Ende der zweiten Amtszeit von George Bush II. Mit schaudern wandte ich mich von den USA ab.

Zur selben Zeit wurden in Europa jahrhundertealte Grenzen niedergerissen, eine einheitliche Währung geschaffen, Visionen entwickelt, es gab eine sensationelle Aufbruchsstimmung. Berlin wurde cool, eine Stadt, die für Alternativen und neue Lebensmodelle stand, nicht Geld sondern Fantasie war hier gefragt.

Europa war intellektuell und nach vorne gerichtet. Die USA religiös, rückwärtsgewandt, zerstörerisch.

Doch es liegt in der Natur des Pendels, nicht ewig in eine Richtung zu schwingen. Wann würde sich die Richtung des ändern, wann würde das Pendel wieder zurückschlagen?

Es dauert wohl immer etwas länger, bis man merkt, dass sich die Grundrichtung ändert. Wenn das Pendel die Richtung wechselt, tut sich lange Zeit wenig. Die Bewegung wird langsamer, schliesslich verweilt das Pendel an der selben Stelle, bevor es, fast unmerklich, die andere Richtung einschlägt. Das Pendel ändert die Richtung in einem dunklen Bereich, der Wandel ist unspektakulär, er geschieht im vermeintlichen Stillstand. Amerika war bereits abgeschrieben. Fast unmerklich verlangsamte sich das immer-dümmer-werden. Sarah Palin gewann nicht mehr and Popularität, aber es dauerte noch Jahre, bevor sie ihre Popularität verlor. Das Pendel hatte bereits die Richtung geändert, doch es befand sich noch tief im Reich der Dummheit.

Eine kleine Auswahl der Dinge, die ich bemerkte, in der Reihenfolge, in der ich sie bemerkte (ohne dass ich bisher einen größeren Zusammenhang sah):

BEOBACHTUNG
ca. 2008 höre ich das erste mal von “TED talks” und beginne sie regelmässig zu hören
ca. 2010 stosse ich auf “This American Life” podcasts und höre sie regelmäßig (mit grosser Begeisterung bis heute)
ca. 2011 “Planet Money” podcasts
ca. 2012 NPR wird mein Lieblingsradiosender und ersetzt meine vormaligen Lieblingsradiosender Deutschlandfunk und Dradio Kultur
2013 es gibt wieder einen positiven Helden aus den USA: Edward Snowden
ca. 2013 ich entdecke (den in den USA aktiven) politischen Comediant John Oliver
2014 ich entdecke die große Atheistismus Debatte – die sich in den USA in Gange ist und deren Protagonisten Hitchens-Dawkins-Dennet-Harris
2015 ein politischer Comidiant in Deutschland zeigt auf welche Mechanismen Europa zerstören

Es gibt ein gemeinsames Element, dass alle oben aufgeführten Elemente verbindet:

Die Versuche neue Blickwinkel auf die Welt zu finden – im Gegensatz zu: Die Welt verstehen und erklären.
Es ist die Art, wie wir Geschichten erzählen, die bestimmt, in welchem Rahmen wir die Welt wahrnehmen können.

Das Prinzip der Story

Für lange Zeit war das dominante Prinzip: Die Wahrheit finden und *allen* vermitteln. Die USA waren Meister darin, “to tell the right story” daraus mit der Zeit “to tell the story right” – also egal *was* man erzählt, Hauptsache es ist eine überzeugende Geschichte – mit diesem Prinzip fuhr Amerika kolossal gegen die Wand (man denke an den Auftritt des damaligen US-Aussenministers Colin Powell vor der UN, als er die Welt von der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak überzeugte).

Zehn Jahre später ist Europa mit dem selben Prinzip mitten dabei, die Dinge kolossal gegen die Wand zu fahren. Die *Wahrheit* zu finden und allen zu vermitteln. Das Ding, das Europa gerade gegen die Wand fährt ist: Europa.

Das momentan in Europa alles beherrschende Thema ist die Finanzkrise in Griechenland und wie Europa (angeführt von Deutschland) darauf beharrt, den richtigen Weg, die richtige Wahrheit gefunden zu haben. Diese simple Wahrheit – Wer Schulden macht muss auch für sie büßen – wird rücksichtslos und uneingedenk der möglichen Folgen, einem ganzen Land aufgedrückt. Europa fährt gerade Europa gegen die Wand, weil es starr an überholten Wahrheiten fest hält und nicht bereit ist, verschiedenen Blickwinkel auf die Realität zu entwickeln. Ganz wie die USA die arabische Welt gegen die Wand gefahren hat, weil es den Menschen dort die amerikanische Wahrheit aufzwingen wollte. Das funktioniert so nicht.

In den USA haben das die Intellektuellen erkannt und arbeiten bereits seit vielen Jahren intensiv daran, Werkzeuge zu entwickeln, wie man mit multiplen Realitäten umgehen kann. Das Ergebnis dieser Arbeit kann man in diesen Tagen sehen: wie in beeindruckender Geschwindigkeit monolithische Grundsätze in den USA geändert werden: Der Oberster Gerichtshof in den USA hat vor wenigen Tagen verfügt, dass “Same Sex Marriage” in allen Bundestaaten anerkannt werden muss. Das, was bei uns abschätzig “Homo-Ehe” genannt wird, gibt es nicht einmal in Deutschland, ganz zu schweigen von Europa. Die USA sind so gross und so vielschichtig wie Europa. Die USA ist in dieser Beziehung plötzlich ganz weit vorne. Ein seltsamer Zufall, dass fast am selben Tag die Konföderiertenflagge, auch so ein anachronistisches Symbol der USA, verschwindet. Amerikanische Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten verkünden eine grüne Revolution. Eine Revolution, die in Deutschland zwar schon vor Jahren ausgerufen wurde, doch dann nur 1/4 bis 1/8 herzig verfolgt wurde. Eine Firma wie Tesla gibt es in Amerika, nicht in Europa. Die Hoffnung, dass sich die Welt verbessert liegt, wieder einmal, auf Amerika. Die USA wurden von von den meisten bereits abgeschrieben. Doch in diesen Tagen – es ist Ende Juni 2015 – ist es offensichtlich: Während Europa in kleinlichem Streit die großen Ziele völlig aus den Augen verloren hat, ist Amerika ist wieder da. Das Pendel in den USA schwingt bereit mit großer Geschwindigkeit in Richtung Zukunft, Europa hat bis auf weiteres die besten Jahre hinter sich, das Pendel schwingt zurück. Europa stehen finstere Dekaden bevor. Die Visionen kommen bis auf weiteres wieder von jenseits des Atlantiks.

Warum es so wunderbar ist, seine Meinung zu ändern

2015-06-REGENBOGEN

Ich bin regelrecht süchtig danach. Ich will, dass Menschen mir erklären, dass etwas nicht so ist, wie ich es denke. Ich will meine Meinung ändern! Und ich glaube, der wichtigste Grund, warum ich mittlerweile überhaupt mit Menschen rede, ist, weil ich will, dass sie mich überzeugen, damit ich sehen kann, was sie sehen. O.k. abgesehen von den Leuten, mit denen ich mich nur unterhalte, weil ich etwas will, was sie haben, und es gegen etwas tauschen möchte, das ich habe. Eine Tüte Spaghetti zum Beispiel, gegen 1,39 Euro, oder 1 Stunde meiner Zeit gegen 22,56 Euro. Dieser Teil der alltäglichen Kommunikation mag vielleicht den größten Teil meiner gesamten Kommunikation ausmachen, vielleicht sogar 90% – aber es ist der unwichtige Teil. Und ich würde sagen: ohne diese 90% könnte ich auch leben. Ich würde vielleicht verhungern, aber das, was das Leben ausmacht, sind die restlichen 10%: Gespräche, die das Potential haben, mir den Kopf zu verdrehen.

Es begann alles, als ich Student war. Für ein Projekt habe ich Interviews geführt. Ich habe die Interviews aufgenommen und viele Male angehört. Es ging darum, einen Film zu machen, und wenn man einen Film macht, muss man sich das Material immer und immer wieder ansehen. Man muss sein Material lernen.

Wenn man das, was ein anderer Mensch sagt, immer und immer wieder hört, kann es passieren, das man plötzlich versteht, was dieser Mensch wirklich meint. Man hat die ganze Zeit nur seine Worte gehört, aber nicht verstanden, was er gesagt hat. Wie wenn man einen Satz in einer anderen Sprache immer wieder hört und auf einmal plötzlich versteht, was dieser Satz bedeutet. Wenn es auf einmal “klick” macht, und man versteht. Das ist wunderbar. Und es ist mir 27 Jahre lang so nie(*) passiert, schlicht und ergreifend, weil ich mir das, was jemand gesagt hat, nie zehn mal angehört habe. Die Wirkung war fantastisch. Denn es war nicht so, dass ich die Dinge nicht mehr so sah, wie vorher und nun statt dessen so, wie mein Gesprächspartner – es war vielmehr so, dass ich das, was mein Gegenüber sagte, nun *auch* sehen konnte, zusätzlich zu dem, was ich ohnehin sah. Also konnte ich plötzlich viel mehr sehen. Meine Welt war mit einem Schlag größer geworden. Aus dem mehr an Raum ergab sich für mich ein mehr an Möglichkeiten. Und dieses mehr an Möglichkeiten gab mit größere Freiheit(**).

Wenn jemand die Welt vergrößern kann, ist er ein Held. Die Grenzen des Denkens ein Stück weit geöffnet zu bekommen, ist ein unschätzbares Geschenk. Es kommt einem vor wie eine Erleuchtung. Doch gleichzeitig ist es ungeheuer schwer zu Erleuchtung zu kommen.

Über meine Unfähigkeit, aus meinem Denken herauszukommen, ärgere ich mich oft. Es fällt dem Menschen insgesamt scheinbar schwer, seine Meinung zu ändern. Es muss an der Mechanik des Denkens liegen, an der Art, wie das Hirn gebaut ist. Synapsenverbindungen sind die Wege, auf denen Gedanken gehen. Und diese Verbindungen sind gewachsen, ganz so, wie die Äste eines Baumes. Und so, wie ein Baum umwachsen kann, kann dies auch das Hirn. Doch es braucht Zeit, und es braucht viel Kraft. Und nur in sehr glücklichen Momenten fällt es einem einfach zu.

(*) nie ist natürlich Quatsch, aber es macht die Geschichte prägnanter. That said, je jünger man ist (und ich glaube, das gilt bis Tag Null, desto leichter ist man beeindruckt, kann einem das, was man hört, die Welt aus den Angeln heben. Mit dem Ender der Pubertät hört das aber auf. Die Pubertät selbst ist der Kampf mit den Extremen: "Was die anderen sagen muss stimmen" <-> "Ich weiß, wie die Welt funktioniert".
(**) …und gleichzeitig bekam ich auch mehr Sicherheit nicht scheitern zu können, denn ich habe viel mit Menschen gesprochen, die wohl als gescheitert gelten könnten. Trotzdem habe ich dann verstanden/gesehen/gefühlt, dass Menschen Würde besitzen, und Glück empfinden können, womöglich mehr, als ich in dieser Zeit empfinden konnte. Man kann also gar nicht Scheitern, bzw man verliert auch wenn man scheitert nicht sein Mensch sein. Man muss nicht das Scheitern fürchten, sondern seine Würde zu verlieren.