Die Farbe Rot

rot

Es gibt Menschen, die eine Farbe sehen können, die für die allermeisten Menschen unsichtbar ist. Nennen wir diese Farbe der Einfachheit halber Rot. Für einen Mensch, der diese Farbe sehen kann, ist diese Farbe und alles was diese Farbe hat, unübersehbar. Doch wenn dieser Mensch versucht mit anderen Menschen über das zu sprechen, was er oder sie sieht, sehen die anderen Menschen nichts. Rot und alles was rot ist, ist für die meisten Menschen einfach nicht da, durchsichtig, unsichtbar.

Ein Kind, das die Farbe Rot sehen kann lernt schnell lieber nicht darüber zu sprechen, um nicht als Außenseiter zu gelten, als jemand, der Dinge sieht, die gar nicht da sind. Es braucht Beharrlichkeit und Mut um immer wieder aufs neue mit unbekannten Menschen über etwas zu sprechen, was niemand sonst sieht. Wenn man Glück hat, findet man irgendwann jemanden, der Rot sehen kann und sich nicht angewöhnt hat, Rot zu ignorieren.

Man muss erst gemeinsame Worte finden, um über das sprechen zu können, was man sieht. Dann und erst dann kann man beginnen darauf zu vertrauen, dass es Rot gibt; kann man sich sicher werden, dass man sich Rot und alles was rot ist nicht nur einbildet.

Wie das Digitale die Welt verändert

What are digital Cultures? The DCRL-interview-series “Questions”
The term “digital cultures” is all-encompassing and at the same time vague. The purpose of the interview-series QUESTIONS of the DCRL (Digital Cultures Research Lab) is to start specifying the broadness of the term by asking researchers as well as practitioners in various fields to further define the notion and its implications. In a five-minute time slot, the interviewees answer four standard questions:

What are digital cultures?
What are the potentials of digital cultures?
What are the dangers of digital cultures?
What lies beyond digital cultures?

Team DCRL: Martina Leeker with: Dominik Baumgarten, Irina Kaldrack, Jonas Keller, Sophie Köster, Tobias Schulze, Daniel Sonntag
Video DCRL: Jonas Keller, Daniel Sonntag
Date of interview: 21-August-2018

Wie man einen Bullies überwindet

Ein Bully kann die Welt aus nur einer Perspektive sehen, aus der eigenen. Daher hat der Bully auch keinen Zweifel an dem, was er oder sie sieht. Wenn der Bully talentiert ist, seine Sichtweise zu formulieren, wird der der Bulli für Menschen, die gerne einem Führer folgen, überzeugend.

Bullies brauchen Menschen, die ihnen folgen.

Menschen, die das Talent haben Zweifel zu haben, werden einem Bullie nicht folgen. Der Bullie weiß das und benutzt diese Menschen als Zielscheibe. Das lässt ihn in den Augen seiner Anhänger stärker erscheinen.

Menschen die zweifeln, haben das Talent, die Dinge aus mehr als einer Perspektive zu sehen. Menschen, die mehr als eine Perspektive wahrnehmen, zweifeln am Bully und oft zweifeln sie auch an sich selbst. Das lässt sie in den Augen von denen, die folgen, schwach und unentschlossen aussehen, verglichen mit der Kraft der einfachen Wahrheit eines Bully.

Kürzlich hatte ich einen Streit mit einem intelligenten Bully. Es zog sich eine ganze Weile hin, aber am Ende hatte ich – hatten wir – doch Erfolg.

Was ich gelernt habe – 5 Regeln, einen Bully zu überwinden

  1. Vertraue anderen Menschen.
  2. Sprich aus, was du siehst.
  3. Hab keine Angst, dass das, was du sagst, für andere keinen Sinn ergibt. Vermeide es, komplexe Dinge zu vereinfachen, nur um eine überzeugende Geschichte zu erzählen.
  4. Hab keine Angst davor, Dinge zu sagen, die nicht korrekt sind, aber sei dir bewusst, dass deine Wahrnehmung falsch sein könnte.
  5. Lass Dich von anderen korrigieren. Sehr wahrscheinlich kannst du nicht alle relevanten Bereiche selbst erkennen. Verwende Energie darauf, zu verstehen, was die anderen meinen, sogar die Tyrannen selbst.

Der Schlüssel ist Kommunikation. Denke daran, Kommunikation ist nicht nur Sprechen, der größte Teil ist Zuhören.

Die Kinder sind weiser als ihre Eltern

Die Generation der Kinder ist weiser als die der Eltern. Die Kinder sind in der Lage komplexere Zusammenhänge wahrzunehmen und deren Dringlichkeit zu verstehen. Und nicht nur das, die Kinder besitzen auch die Fähigkeiten, sich so zu organisieren, dass sie weltweite Aufmerksamkeit auf die von Ihnen erkannten Probleme lenken können um Handlungsdruck zu erzeugen.

Die Alten haben nie recht verstanden, was es mit MySpace, Facebook, Instagram, YouTube oder Snapchat auf sich hat. Auf einmal wird klar, was die Kinder bewegt, sich derart intensiv mit dem Internet und all den neuen Medienformen zu befassen. Warum Teenager kreischend YouTube-Influencer verehren, die über Schminktips und anderen Nonsens zu Ruhm gelangten. Es geht gar nicht darum worüber die Influencer sprechen, das faszinierende ist, wie sie es tun. Einigen Kids gelingt es besonders gut über die neuen Kommunikationsmedien rüberzukommen als anderen. Und diejenigen, denen es am besten gelingt, werden zu Vorbildern. Die Stars haben etwas voraus, von dem die anderen lernen können. Und so haben die Kinder innerhalb weniger Jahre die Fähigkeiten entwickelt, über elektronische Medien in einer Intensität zu kommunizieren, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Kommunikation ist Informationsaustausch. Und der funktioniert in beide Richtungen. Das ist den Kids auf Anhieb klar, wir Alten mussten auf Universitäten gehen, um das als theoretisches Wissen zu lernen. Die Kids benutzen das Netz, das es zu unserer Zeit noch gar nicht gab, nicht nur als Sendeeinrichtung, über das sich millionenfaches Publikum erreichen lässt, sondern auch als Quelle, aus der sie ihre Informationen ziehen. Und auch darin sind sie den Alten haushoch überlegen. Während sich das gros der Alten noch in Echo-Chambers verfängt, was dazu führt, dass die am lautesten schreienden Idioten zu politischen Führern erkoren werden, nutzen die Kids (die selbst noch zu jung zum Wählen sind) das selbe Netz, um sich ein umfassenderes Verständnis für die Belange der Welt anzueignen.

Ich spreche hier nicht von dem einen Kid, das Sie im Kopf haben, das den ganzen Tag vor dem Rechner sitzt und nur Computerspiele spielt. Ich spreche hier von der Gesamtheit der Kids, die auch vernetzte Computerspiele zu spielen gelernt haben und nun in der Lage sind, das Netz auf eine Art zu nutzen, die uns Alten nach wie vor unbegreiflich ist. Statt mit vernetzten Computern spielten wir als Kinder mit Legosteinen und wurden prima Ingeniere.

Mit der Technik, die die Ingenieure der Elterngeneration gebaut hat, entwickeln die Kids heute das Bewusstsein, die grossen anstehenden Probleme zu erkennen, von den unwichtigeren Themen zu unterscheiden und in gebotener Eile zielgerichtet zu agieren. Und aus Sicht eines Vertreters der Elterngeneration kann ich nur staunen, wie rasend schnell die Kids es geschafft haben, Vertreter aus ihren Reihen zu küren und in kürzester Zeit mit derart viel Bedeutung aufzuladen, dass sie befähigt sind, in den höchsten Gremien der Welt die gemeinsamen Belange zu vertreten. Und das nicht nur auf Augenhöhe (was an sich schon bemerkenswert genug wäre) – diese Vertreter mit sind mit ihren 16 Jahren klüger, bedachter und in jeder Hinsicht weiser als die Vertreter der Generation, der die Welt offenbar gerade aus dem Ruder läuft.

Die beruhigende Wirkung von Wildschweinenen im Straßenverkehr

Früher musste ich mich oft aufregen, wenn ich mich im Straßenverkehr bewegte. Was heisst oft? Eigentlich immer. Wenn mir zum Beispiel so ein Arsch die Vorfahrt nahm, oder einfach nur blöd im Weg stand, weil er gepennt hat, wenn die Ampel auf grün gesprungen ist. Die Welt ist voll von solchen Idioten!

Weil es aber ungesund ist, sich ständig aufzuregen – es ist nicht gut fürs Herz, für den Blutzuckerspiegel, für den Blutdruck – wollte ich mir etwas einfallen lassen.

Als mir dann wieder so ein Wildschwein in den Weg gelaufen ist, wurde es mit schlagartig klar: Autos sind Wildschweine. Und es ist der Job eines Wildschweins, sich wie ein Wildschwein zu benehmen. Bei einem Wildschwein im Wald würde man ja auch nicht denken, dass es einen persönlich meint, wenn es einem in den Weg spring. Wildschweine sind dazu da, sich wie Wildschweine zu benehmen.

Wenn ich mich heute mit dem Motorrad auf den Weg durch die Stadt machte, muss ich mich nicht mehr ständig über Idioten aufregen, sondern bin statt dessen auf Wildschweine gefasst, die jederzeit aus unerwarteter Richtung daherkommen können. Ich nehme es sportlich und es ist wie ein Spiel, den Wildschweinen möglichst schon von vorne herein auszuweichen.

Und wenn ich nicht ausweichen kann, dann bremse ich. Und wenn ein Wildschwein vor mir an der Ampel eingenickt ist, dann warte ich geduldig bis es von alleine aufwacht. Das dauert meist nicht lange. Ich regte mich nicht mehr auf. Sich darüber aufzuregen –reine Energieverschwendung. Es sind Wildschweine!

Ich mag Wildschweine.

Mit der Zeit bin ich noch besser geworden. Ich habe gelernt, die Wildschweine einzuschätzen, denn sie sind ja nicht alle gleich. Manche sind freundlich, andere aggressiv, manche verschlafen oder verspielt. All das läßt sich ganz gut an ihren Gesichtern ablesen. Wenn da so eine Wildsau daherkommt, grimmig die Lichter zu blitzenden Schlitzen zusammengezogen, oder ob einen ein nettes Schweinchen mit runden Augen verträumt in die Welt kuckt, man kann schon von weitem erahnen, wie es sich verhält.

Das Tier entsteht, wenn Mensch und Auto zusammenkommen und quasi eins werden. Die allermeisten Menschen sind völlig harmlos, wenn sie einem in freier Wildbahn begegnen. Noch harmloser sind Autos, die ohne einen Mensch in sich am Strassenrand schlafen. Nur in der Kombination werden sie unter Umständen gefährlich.

Zu aggressiven Wildschweinen halte ich Abstand. Aber auch bei allen anderen kann es vorkommen, dass ihnen plötzlich irgendein Blödsinn einfällt. Wenn es passiert, rege ich mich nicht mehr auf. Ich nehme es nicht persönlich. Das Auto-Autofahrer-Tier ist halt das, was es ist: Ein Wildschwein!