Warum es so wunderbar ist, seine Meinung zu ändern

2015-06-REGENBOGEN

Ich bin regelrecht süchtig danach. Ich will, dass Menschen mir erklären, dass etwas nicht so ist, wie ich es denke. Ich will meine Meinung ändern! Und ich glaube, der wichtigste Grund, warum ich mittlerweile überhaupt mit Menschen rede, ist, weil ich will, dass sie mich überzeugen, damit ich sehen kann, was sie sehen. O.k. abgesehen von den Leuten, mit denen ich mich nur unterhalte, weil ich etwas will, was sie haben, und es gegen etwas tauschen möchte, das ich habe. Eine Tüte Spaghetti zum Beispiel, gegen 1,39 Euro, oder 1 Stunde meiner Zeit gegen 22,56 Euro. Dieser Teil der alltäglichen Kommunikation mag vielleicht den größten Teil meiner gesamten Kommunikation ausmachen, vielleicht sogar 90% – aber es ist der unwichtige Teil. Und ich würde sagen: ohne diese 90% könnte ich auch leben. Ich würde vielleicht verhungern, aber das, was das Leben ausmacht, sind die restlichen 10%: Gespräche, die das Potential haben, mir den Kopf zu verdrehen.

Es begann alles, als ich Student war. Für ein Projekt habe ich Interviews geführt. Ich habe die Interviews aufgenommen und viele Male angehört. Es ging darum, einen Film zu machen, und wenn man einen Film macht, muss man sich das Material immer und immer wieder ansehen. Man muss sein Material lernen.

Wenn man das, was ein anderer Mensch sagt, immer und immer wieder hört, kann es passieren, das man plötzlich versteht, was dieser Mensch wirklich meint. Man hat die ganze Zeit nur seine Worte gehört, aber nicht verstanden, was er gesagt hat. Wie wenn man einen Satz in einer anderen Sprache immer wieder hört und auf einmal plötzlich versteht, was dieser Satz bedeutet. Wenn es auf einmal “klick” macht, und man versteht. Das ist wunderbar. Und es ist mir 27 Jahre lang so nie(*) passiert, schlicht und ergreifend, weil ich mir das, was jemand gesagt hat, nie zehn mal angehört habe. Die Wirkung war fantastisch. Denn es war nicht so, dass ich die Dinge nicht mehr so sah, wie vorher und nun statt dessen so, wie mein Gesprächspartner – es war vielmehr so, dass ich das, was mein Gegenüber sagte, nun *auch* sehen konnte, zusätzlich zu dem, was ich ohnehin sah. Also konnte ich plötzlich viel mehr sehen. Meine Welt war mit einem Schlag größer geworden. Aus dem mehr an Raum ergab sich für mich ein mehr an Möglichkeiten. Und dieses mehr an Möglichkeiten gab mit größere Freiheit(**).

Wenn jemand die Welt vergrößern kann, ist er ein Held. Die Grenzen des Denkens ein Stück weit geöffnet zu bekommen, ist ein unschätzbares Geschenk. Es kommt einem vor wie eine Erleuchtung. Doch gleichzeitig ist es ungeheuer schwer zu Erleuchtung zu kommen.

Über meine Unfähigkeit, aus meinem Denken herauszukommen, ärgere ich mich oft. Es fällt dem Menschen insgesamt scheinbar schwer, seine Meinung zu ändern. Es muss an der Mechanik des Denkens liegen, an der Art, wie das Hirn gebaut ist. Synapsenverbindungen sind die Wege, auf denen Gedanken gehen. Und diese Verbindungen sind gewachsen, ganz so, wie die Äste eines Baumes. Und so, wie ein Baum umwachsen kann, kann dies auch das Hirn. Doch es braucht Zeit, und es braucht viel Kraft. Und nur in sehr glücklichen Momenten fällt es einem einfach zu.

(*) nie ist natürlich Quatsch, aber es macht die Geschichte prägnanter. That said, je jünger man ist (und ich glaube, das gilt bis Tag Null, desto leichter ist man beeindruckt, kann einem das, was man hört, die Welt aus den Angeln heben. Mit dem Ender der Pubertät hört das aber auf. Die Pubertät selbst ist der Kampf mit den Extremen: "Was die anderen sagen muss stimmen" <-> "Ich weiß, wie die Welt funktioniert".
(**) …und gleichzeitig bekam ich auch mehr Sicherheit nicht scheitern zu können, denn ich habe viel mit Menschen gesprochen, die wohl als gescheitert gelten könnten. Trotzdem habe ich dann verstanden/gesehen/gefühlt, dass Menschen Würde besitzen, und Glück empfinden können, womöglich mehr, als ich in dieser Zeit empfinden konnte. Man kann also gar nicht Scheitern, bzw man verliert auch wenn man scheitert nicht sein Mensch sein. Man muss nicht das Scheitern fürchten, sondern seine Würde zu verlieren.

Im Fernsehen werden spannende Geschichten erzählt

In einer deutschen Fernsehsendung wird der griechische Finanzminister gefragt: Wie können sie den Stinkefinger gegen Deutschland zeigen, wo Deutschland Griechenland so viel Geld gegeben hat? Als Beweis wird ein Video eingespielt, auf dem eben jene Geste gezeigt wird. Der Griechische Finanzminister reagiert direkt: An diesem Video sei herumgedoktert worden.

2015doctored

Sprecher: Varoufakis will den Griechen neues Selbstvertrauen geben …(kurze Einblendung: Mai 2013)
Varoufakis: Griechenland sollte einfach verkünden, dass es nicht mehr zahlen kann …
Sprecher: … und steht für klare Botschaften. Besonders an Deutschland.
Varoufakis: … und Deutschland den Finger zeigen und sagen: Jetzt könnt ihr das Problem alleine lösen.
Dann leitete der Moderator der Sendung mit einer Frage an den griechischen Finanzminister über:
Der Moderator: Der Stinkefinger für Deutschland, Herr Minister. Die Deutschen zahlen am meisten, und werden dafür mit Abstand am meisten kritisiert. Wie passt das zusammen?

So werden Fernsehsendungen gemacht. Es wird zugespitzt, polarisiert, emotionalisiert. Ziel der Übung allem voran: Den Zuschauer bei der Stange zu halten, ihm eine spannende, aufregende Sendung zu bieten. Ziel erreicht, Patient tot, könnte man sagen.

Es ist wieder einmal passiert.

“Wenn man etwas verstehen will,” hat mein Vater immer gesagt, “muss man es im Extrem darstellen, dann wird es klar”. Ich habe Jahrzehnte gebraucht, um zu erkennen, dass genau das nicht stimmt. Denn Extreme verhalten sich ganz anders als die Normalität.

Wenn man Wasser verstehen will und die Extreme betrachte: Die Extreme wären zum Beispiel extrem kalt oder extrem heiss. Extrem kaltes Wasser verändert seinen Zustand, es wird etwas anderes: Eis. Extrem heisses Wasser verändert seinen Zustand und wird Dampf. Beides ist spannend, doch beides hilft nicht, das Phänomen Wasser zu verstehen. Es lenkt sogar vom Wesentlichen ab, das Wesentliche, das Normale, verhält sich nämlich nach ganz anderen Regeln.

Geschichten funktionieren so. Sie stellen die Dinge im Extrem dar. Warum? Weil es sensationell ist, weil es spannend ist. Wer will sich denn mit dem Normalen beschäftigen? Das Normale ist vermeintlich langweilig. Wir wollen spannende, emotionale, mitreissende Geschichten hören und Extreme machen gute Geschichten.

Warum will ich Geschichten hören?

Weil ich etwas über die Welt lernen möchte. Weil ich verstehen will, wie die Welt funktioniert, wie sich die Menschen in ihr verhalten, wie ich mich sinnvollerweise in ihr verhalten soll, um ein gutes, sinnvolles, glückliches Leben zu führen. Aus diesem Grund und nur aus diesem Grund interessiere ich mich für Geschichten. Geschichten, aus denen ich nichts relevantes für mein Leben lernen kann, sind für mich Zeitverschwendung. Ich lebe – wie alle Menschen, die ich je getroffen habe – ein ganz normales Leben. Und wenn ich extreme Geschichten höre, haben sie maximal wenig mit meinem Leben zu tun.

Doch angeblich wollen wir spannende Geschichten hören. Und offensichtlich stimmt es auch. Wir sind darauf konditioniert, extreme Geschichten hören zu wollen. Hollywood hat uns trainiert. Extreme sind teuer und schwierig herzustellen. Hollywood kann sie herstellen. Das Hollywood-Rezept wird nun auch von Journalisten benutzt, um spannende Geschichten zu produzieren. Aber diese Geschichten haben so gut wie nichts mit der Realität zu tun. Sie sind Lärm und in Wahrheit – stinklangweilig.


SEHR GUTER BEITRAG ZUM THEMA STINKEFINGER BEI JAUCH:
http://pantelouris.de/2015/03/15/die-sache-mit-dem-finger-varoufakis-bei-jauch/


UPDATE:
Mein Freund M.H. hat mir als Kommentar zu meinem kleinen Text eine Email mit einem sehr spannenden Verweis geschickt:

Hier nochmal die Regel fuer Journalisten die Edmund Carpenter 1970 umgedreht hat:

“I recently came across the following rules of communication posted in a School of Journalism:

1. Know your audience and address yourself directly to it

2. Know what you want to say and say it clearly and fully

3. Reach the maximum audience by utilizing existing channels

Whatever sense this may have made in the world of print, it makes no sense today. In fact, the reverse of each rule applies.”


UPDATE 19.3.2015 (zwei Tage später…)

Wie ein Hofnarr, der dem König unverblümt sagen kann, was am Hofe über ihn gemauschelt wird, ohne zu riskeren, seinen Kopf dafür zu verlieren, sind es in unserer Zeit immer häufiger Comedients, die das unaussprechliche sagen:

“Ihr habt einfach das Video nur aus dem Zusammenhang gerissen und nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. Damit sich Muddi und Vaddi abends nach dem „Tatort“ nochmal schön aufregen können.”

Jan Böhmermann, NEO MAGAZIN ROYALE.

Benzin – Warum Zuschauerzahlen so wichtig erscheinen

Sowas kommt vor. Wohl hunderte Male bin ich in meinem Leben schon an liegengebliebenen Fahrzeugen auf der Autobahn vorbeigefahren, nun hat es mich auch erwischt. Es ist eine eher lustige Geschichte, ohne ernste Folgen und dennoch hat sie mich tief beschäftigt. Vom Vorfall selbst und dem, was ich daraus gelernt habe, möchte ich im Folgenden berichten.

Das Auto ist fast 20 Jahre alt. Und obwohl es, nach einer nicht unerheblichen Investition, vor wenigen Monaten eine neue TÜV-Plakette bekommen hat, ist mit dem Ableben des Autos jederzeit zu rechnen. Oder besser: ich rechne mit dem Ableben jederzeit. Es ist halt ein altes Auto.

Vor einigen Tagen war es dann vermeintlich so weit. Zusammen mit meiner Frau war ich an diesem wunderschönen Sommertag von Berlin aus, auf dem Weg nach Kiel, die Familie zu besuchen. Nach 2/3 des Weges stockte der Motor, ging aus und wieder an, eine Weile konnte ich noch langsam auf dem Standstreifen fahren, kurz vor der Anschlussstelle Schwarzenbek/Grande war dann Schluss. Das erste mal in meinem Leben stellte ich ein Warndreieck auf. Anruf bei der Notfallnummer meiner Versicherung, die Dame am Telefon fragt freundlich, ob mir auch nicht das Benzin ausgegangen sei. Ich verneine. Ein Abschleppwagen uns abzuholen, wird in Bewegung gesetzt, wir warten am Strassenrand. Meine Frau schickt eine SMS an meinen Schwiegervater. “Benzin ausgegangen, haha?” kommt es zurück. Vorsichtshalber steige ich ins Auto, schalte die Zündung an, die Nadel geht nach oben – Benzin ist drin.

Wir warten eine Stunde bis der Abschleppwagen kommt. Als ich den Fehler beschreibe – der Motor ging aus, ganz so als würde das Benzin ausgehen – schaut mich der Mechaniker mit seltsamem Blick an. Ich sitze neben ihm, als er die Zündung anmacht, gemeinsam schauen wir auf die Anzeige: Benzin ist drin!

Vermutlich ist der Katalysator durchgeschmort, vermutet der Fachmann, es rieche auch so komisch, ob wir das nicht bemerkt hätten? Und in der Tat, als wir aus Berlin herausfuhren, roch es plötzlich wie nach verbranntem Plastik, wir hatten uns kurz unterhalten, dann aber gedacht, dass es von einem anderen Auto käme. Das sei nur eine Vermutung, stellt der Mechaniker fest, endgültig könne man das erst in der Werkstatt sagen. Das Auto wird auf den Abschleppwagen gezogen und wir sitzen neben einem wortkargen Mann, der meine Frau, mein Auto und mich nach Mölln zur Fachwerkstatt verfrachtet. Es ist 8 Uhr Abends, die Werkstatt ist geschlossen, ich schreibe eine Notiz und werfe sie zusammen mit einem Schlüssel und den Fahrzeugpapieren in den Briefkasten des Autohauses. Die Versicherung kümmert sich derweil um ein Mietauto. Es wird uns von zwei Herren aus Hamburg gebracht. In der Zwischenzeit räumen wir alles, was Wert hat, aus dem Auto und machen Abschiedsfotos. Wenn der Schaden ein paar hundert Euro ist, werden wir uns wohl nie mehr wiedersehen. Über 100.000 Kilometer bin ich selbst in diesem Auto gefahren.

Die Herren, die das Mietauto gebrach haben, sind schon wieder fort. Wir haben alles umgeräumt und sind startklar. Ein letztes Mal setze ich mich in mein altes Auto und drehe den Schlüssel: Die Benzinleuchte brennt hell, der Zeiger bewegt sich nicht von der Null!

Die Tankstelle ist genau gegenüber, wir haben uns hier schon mit Bullettenbrötchen versorgt. Eine Wasserflasche dient als Benzinkanister. Dem aufmerksamen Leser wird es kein Geheimnis mehr sein. “Und dann habe ich das Auto selber repariert”, so werde ich die Geschichte in den darauf folgenden Tagen mehrmals zu besten geben: “mit einem Liter Benzin.”

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein 20 Jahre altes Auto stehen bleibt. Es ist allerdings auch nicht unwahrscheinlich, dass bei einem 20 Jahre alten Auto das Benzin ausgeht und die Benzinanzeige spinnt. “Selten, aber kommt schon mal vor”, sagt der Automechaniker am nächsten Tag. Es hatte ja auch nicht an Hinweisen gefehlt. Die Dame von der Versicherung am Telefon, die SMS vom Schwiegervater. Und es gab noch viele weitere Hinweise und ich bin fasziniert, wie es mir möglich war, sie so konsequent zu ignorieren. Der stärkste Wink war wohl der Trip-Kilometerzähler, direkt neben der Benzinanzeige. Der Stand auf knapp über 700 Kilometern. Ich habe stelle ihn immer auf Null, wenn ich tanke. Immer? Nicht immer, manchmal vergesse ich es und das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich ihn ignorierte. Mir ist der Kilometerstand sogar aufgefallen und ich meine mich zu erinnern, dass ich mich entschloss, nicht weiter darüber nachzudenken mit dem Gedanken “ich habe wohl vergessen ihn zu nullen”. Ein Schritt weitergedacht, hätte mir auffallen müssen, dass, wenn ich vergessen hätte, ihn zu nullen er nicht bei 700 km hätte stehen dürfen, sondern bei 1200, oder so. Aber, der Trip-Kilometerzähler ist auch schon ein paar mal hängen geblieben (altes Auto!) – aber, wenn der Trip-Kilometerzähler hängen bleiben kann, kann dann nicht auch die Benzinanzeige hängen bleiben? In der Retrospektive eine müßige Frage. Das letzte mal Tanken lag so weit zurück, dass ich lange nachdenken musste, bis ich mich erinnern konnte. Es ist Sommer – das Auto steht in der Garage, ich fahre Motorrad. Mein Motorrad hat übrigens gar keine Benzinanzeige. Man fährt, bis das Benzin ausgeht, dann legt man einen Hahn um, und fährt mit Reserve. Ich weiss also, wie es sich anfühlt, wenn bei der Fahrt das Benzin ausgeht. Ein weiterer Hinweis.

Doch ich traue der Benzinanzeige. Die Nadel liegt bei Null, wenn der Motor aus ist, erst wenn man die Zündung anmacht hebt sie sich. So sah sie auch nicht kaputt aus, sie hat funktioniert, nur eben selbstbewusst das Falsche angezeigt. Es ist eine schöne, konkrete Anzeige, und ich frage mich, wie oft man schönen, konkreten Anzeigen traut, ohne sich weitere Gedanken zu machen. Temperatur ist ein Gegenbeispiel, moderne Wetterberichte geben zwei Werte an: “14 Grad, gefühlt 10 Grad”. Vermutlich gab es kritischere Geister als meine, die die Meteorologen so lange genervt haben, bis diese erkannten: Die absolute Zahl ist nicht die Richtige!

Oder Fernsehzuschauer. Wie Programmchefs die Qualität ihres Programms in Zuschauerzahlen messen. Weil es so eine schöne konkrete Zahl ist, wissenschaftlich erhoben: Doch merkwürdiger Weise sind sich alle einig, dass das immer zuschaueroptimiertere Programm immer schlechter wird. Weil sich die Fernsehmacher nicht trauen, ihrem Gefühl zu trauen und statt dessen auf konkrete Zahlen starren.

 

Master vs. Medium

When I was a child and my father read bedtime stories to me, he always finished with the same question: “And what is the moral of this story?” Then he usually answered the question himself. Suspiciously, the moral of the story was most often related to stuff that had been going on in our family, or in school: To succeed in life, one has to be nice to one’s brothers, do one’s math homework, or help one’s mother do the dishes.

I learned that the moral of the story is a trick the narrator uses to make the listener do something, or believe something, that he thinks is important. As a kid I felt like I wasn’t taken seriously by my father, and even today, when a film comes up with that moral thing, I feel like there is someone disrespecting my brain.

Later in life I became a story-teller myself.

I love to learn about people and I love image and sound. I became a documentary filmmaker. But I don’t want to share a moral, or tell people what thoughts they should have in their brains. Usually, as a documentary filmmaker, I end up in situations where, of all the people that are around, I am the most clueless. So why should I – the clueless one – be the one to explain to an audience how things work?

In 1997, around the time I discovered my interest in storytelling, I also found my fascination with computers. That led to the development of Korsakow. For the last three years I have been working together with Matt Soar and our programmer Dave Reisch who has rewritten the code of Korsakow from scratch, and built the foundation from where we can further develop the application.

For my own work, I almost exclusively use Korsakow and, depending on the way you count it, I have made (depending on how one counts) between 7 and 45 Korsakow-films. Last year, for the first time in my life, I also made a linear film (ie a film that is the very same every time you look at it). This film is called Planet Galata, a portrait of a bridge in Istanbul, and the people living on and around it. Planet Galata was made for French/German broadcaster ARTE, and there are two versions: a linear film and a Korsakow film. It was an amazing experience to make a linear film alongside a Korsakow-film. In a nutshell: The linear version of Planet Galata created some kind of moral, or message. I tried not to, but the film – the format of linear film – made me do it. It is the format of linear film that demands a moral, or a message. The author can fight it, and maybe some great masters of filmmaking sometimes succeed, but linear film is a monster and it demands moral.

An author can be either one or the other:

The master of the story. The author pre-defines, and pre-thinks the experience of the viewer. In a linear film, the author cannot avoid being the master of the story, because, in the end, a linear film has one – and only one – concrete order, and the author has to take full responsibility for it.

That said, also non-linear, multi-path and flexible-structured projects (I call them multi-linear) are usually made by authors who still take the role of masters of the story: The experience of the viewer, the order of things, has been per-thought by the master. The order is certainly more flexible than in a linear film, and these multi-path films do not always look the same, every time you look at them, but nothing happens that the author did not pre-think.

The medium of the story. Here the author prepares the material, the bits and pieces of the story; she can also be present as a voice; she can state her view, or her opinion, just like in any linear film. The difference is that the author creates the rules of the film, but does not pre-think the film. And that allows her to tell stories that are usually very, very difficult to tell in films, stories that are inspirational, but that don’t have a message or moral. – Korsakow is a tool that allows the author to be the medium of the story.

Korsakow allows to create stories – without a moral.

{ This text was originally written for a talk given at Visible Evidence in New York in August 2011. }

WEBDOKU – Interview mit Florian Thalhofer

„Ich würde mir wünschen, dass Erzählen durch den Computer menschlicher wird“, sagt Florian Thalhofer. 1997 hat er mit dem interaktiven Erzählen im Internet begonnen; mittlerweile gilt er als einer der Vorreiter in Deutschland. Seine Webdokus nennt Thalhofer Korsakow-Filme, das Programm zur Herstellung hat er selbst entwickelt. Webdoku.de hat ihn in Berlin getroffen.

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