Die Zukunft der Fernsehens I

2015-ORFHeute war das österreichische Fernsehen da. Es wollte wissen, wie die Zukunft des Fernsehens aussieht. Davon habe ich dann ein Bild gemalt. Anschließend sind wir was trinken gegangen. Das österreichische Fernsehen hat sich sehr gefreut, dass es in Berlin coole Kneipen gibt und bayerisches Bier.

PIEP – wie wir alles kopieren, was man sich in den USA so ausdenkt

Das schlimmste an New York ist das Piepen der Lastwagen, wenn sie rückwärts fahren. Es ist ein Warnsignal, das Menschen (und Hunde, nehme ich an) verscheuchen soll, wenn tonnenschwere Maschinen, wie (LKWs, Bagger oder andere Baufahrzeuge) zurückfahren. Es soll wohl verhindern, dass Menschen oder Hunde versehentlich zerquetscht werden, weil es, wie ich annehme, für den Fahrer schwierig ist zu sehen, was hinter dem Fahrzeug vorbeigeht und ab und an müssen sie ja rückwärts fahren. Mir ist dieses Piepen vor 15 Jahren in Amerika aufgefallen und ich fand es schrecklich. Denn es erschreckt nicht nur Hunde und Menschen hinter Lastwagen, sondern Hunde und Menschen. Und weil es hinter Lastwagen und Baufahrzeugen aufgrund des natürlichen Lärms, den Lastwagen und Baufahrzeuge absondern, ohnehin furchtbar laut ist, hat man sich entschlossen, das Warnsignal in Form eines hohen und durchdringenden Tons zu gestalten, der sich gut vom tiefen Motorengeräusch abhebt. Ähnlich, wie der Ton eines digitalen Weckers, dessen piepen auch noch drei Wohnungen weiter zu hören ist, weil er scheinbar mühelos Wände durchdringt. Die Analogie mit dem Wecker bietet sich auch deshalb an, da Baufahrzeuge und Lastwagen ebenfalls oft am frühen Morgen aktiv werden. Doch während ein Lastwagen, der in 500 Metern Entfernung fröhlich vorbeibrummt, dem Schlaf eher förderlich ist, ist ein Bagger, der in 1000 Metern rückwärts piept, das Ende aller Träume.

Die Amerikaner sind verrückt, habe ich gedacht und New York den Rücken gekehrt. Doch wie alles, was in Amerika erfunden wird, kam auch das Piepen 10 Jahre später nach Europa. Vor etwa 5 Jahren ist es mir das erste mal aufgefallen.

Ich schreibe diese Zeilen in Berlin, es ist 6:30 Uhr, ich muss heute nicht etwa früh arbeiten. In ungefähr zwei Kilometern Entfernung ist eine Baustelle und Bagger, fahren offenbar genauso oft vorwärts wie rückwärts. Ich frage mich, wie viele Menschenleben gerettet wurden, weil das Piepen schreckliche Unfälle verhindert hat. Ich frage mich, wie viele Menschen schon vom Piepen in den Wahnsinn getrieben wurden. Ich frage mich, ob ich Europa verlassen soll.

SUV = FAA (Fettarschauto)

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Früher bin ich Moped gefahren, heute fahre ich Motorrad. So bewege ich mich seit 20 Jahren durch Berlin. Das ist prima, weil es Spaß macht, man keinen Parkplatz suchen muss und weil man an Staus vorbeifahren kann äh konnte.

Immer öfter kommt man nämlich nicht mehr an den Autos vorbei. Zu wenig Platz gab es auch früher manchmal. Aber es ist eine Sache, wenn zwei LKWs nebeneinander stehen und man nicht durchkommt. Die LKWs beliefern vielleicht Supermärkte, transportieren Möbel oder Baumaterialien oder sonstwas. Sehe ich alles ein.

Ich möchte mich hier auch gar nicht darüber auslassen, dass es offenbar immer mehr Menschen wichtig ist, ihr Kind im vermeintlich kriegstauglichen Geländewagen in den Kindergarten zu bringen. Aber immer häufiger stehen ein neuer BMW “Mini”, neben einem neuen VW Golf oder Opel Corsa oder Citroën Supërëfficiënt. Und da es seit ein paar Jahren unter neuen Autos modern geworden ist, in die Breite zu wachsen, kommt es mit der Zeit immer häufiger vor, dass da zwei dieser modernen Fahrzeuge nebeneinander im Stau stehen und dann wird es für mich eng.

“Tja, – Pech”, habe ich gedacht. Ist ja ohnehin illegal, sich am Stau vorbeizumogeln, ausserdem wird mir mit zunehmendem Alter das Motorradfahren sowieso immer beschwerlicher. Zudem habe ich mehr Geld als früher. Ich habe reagiert. Und so transportiere ich meinen fetten Arsch nun auch in einem von diesen energieeffizienten Dingern!

Das hässliche Haus I

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Der Vater hat dem Sohn eine Wohnung gekauft. In Berlin, da hat der Sohn an der Kunsthochschule studiert. Und der Sohn hat sich gefreut. Er hat sich für den Vater gefreut, weil der sein Leben lang gearbeitet hat und nun eine Wohnung besitzen konnte, in der neuen Hauptstadt. Er hat sich über die Geste gefreut, dass der Vater für den Sohn sorgt, denn für wen, wenn nicht für den Sohn hätte die Wohnung später sein sollen? Der Sohn hat sich nicht über die Wohnung gefreut, denn das Haus, in dem die Wohnung war, war hässlich. Obendrein, wie es damals wohl nur in Berlin sein konnte, lag die Wohnung zwar mitten in der Stadt, doch gleichzeitig im Nirgendwo “Wo ziehst Du hin?” haben die Freunde des Sohnes gefragt – und als, nach vielen Jahre ein Café eröffnete hieß es: “Am Ende der Welt”.

Der Sohn hat dem Vater Miete bezahlt und es war die Miete, die man damals zahlen musste, wenn man in Berlin Mitte in einen Neubau zog. Nur wenige Leute taten das und die wenigen kamen aus Bonn und waren nur unter der Woche in der Stadt. Das mit der Miete ging für den Sohn schon in Ordnung, denn die Wohnung war mit besonderen steuerlichen Vergünstigungen gekauft, wie es sie nur damals, wenige Jahre nach der Wiedervereinigung gab. Aufbau Ost hiess das Motto und das Finanzamt konnte es nicht zulassen, dass ein Vater den eigenen Sohn zu besonderen Konditionen in der Wohnung wohnen lässt. Und das Finanzamt war damals auch besonders streng. So sagte der Vater, und der musste es wissen, denn der Vater war Steuerberater. Der Sohn sah, wie seine Freunde die herrlichsten 120 qm Altbauwohnungen bezogen und nur die Hälfte seiner Miete zahlten. “Aber wir haben eine Tiefgarage!” versuchte der Sohn seine Freundin zu überzeugen, die zwar in die Wohnung mit einzog, aber nicht für sehr lange. Nur einmal hatte der Vater seinen Sohn vorher gefragt, welche Wohnung er denn kaufen würde. Als der, ohne viel zu überlegen “eine renovierte Altbauwohnung im Prenzlauer Berg” zurückgab wurde die Idee schnell abgetan, mit Verweis auf feuchte Keller, alte Bausubstanz und Neubauförderung.

Der Vater verhielt sich damals ganz anders als anonyme Immobilienspekulanten, die da Wohnungen kauften, wohin Kunststudenten zeigten. Der Vater hielt nicht viel vom Immobilienverstand von Kunststudenten.

Der Sohn fügte sich und war gerührt, ob der Vorsorge, denn er verstand, dass der Vater das Beste tat, was er konnte.