Der Mensch ist ein Affe

Eines Tages lag eine Affenpranke vor mir auf dem Tisch. Es dauerte einen Moment, bis ich merkte – es ist meine eigene Hand. In diesem Moment wurde mit bewusst: Ich bin ein Affe, mit einem Affenhirn.

Das Affenhirn erklärt vieles. Vieles, was ich nicht verstehen kann, auch wenn ich lange darüber nachdenke. Wie ein Hund, der zu blöd ist, sich selbst die Hundeleine abzunehmen. Eine Hundeleine ist für einen Hund ein unlösbares Problem. Da mag der Hund noch so klug sein.

Meine Mitmenschen: Auch alles Affen. Auch das erklärt vieles. Zum Beispiel – wie sie Auto fahren. Und das soll sie nicht heissen, dass sie schlecht Auto fahren. Im Gegenteil. Autofahrer sind beeindrucken gut dressierte Affen die wahnsinnig gefährlichen Maschinen durch die Gegend steuern. Nur selten passiert ein Unfall. Und wenn dann doch einmal ein Unfall passiert, dann passiert meistens nicht viel. Stossstangen, Sicherheitsgute und Airbags sogen dafür, dass den Affen nichts böses widerfährt. Dann steigen die Affen aus ihren Autos aus, tippen auf Funktelefonen herum und wenig später kommt ein Polizeiaffe, der die Unfallstelle absichert und weisses Pulver verstreut, das die Flüssigkeit aufsaugt, die aus den Autos gelaufen ist.

Versicherungen bereinigen den Schaden. All das haben sich Affen ausgedacht. Es ist ein komplexes System von Erfindungen, Regeln und Vorkehrungen die alle nur einem Zweck dienen: Dass es den Affen gut geht.


Auszug aus “Codonaut – Wohin programmieren wir uns?”, einem Korsakow-Film über Künstliche Intelligenz. Der Film ist hier zu sehen: codonaut.de

A robot presses buttons

I’m petting a robot. The robot is called Pepper. She is one meter twenty tall, blinks with huge eyes and giggles happily when I scratch her plastic shell with my fingers. I can’t stop petting her and wonder about myself. Actually, I came here because I wanted to learn something about artificial intelligence. Instead I learn something about myself. A robot presses my buttons and feelings arise in me that I can hardly resist.

And obviously this doesn’t work because the robot is such a complicated device.

It takes a while before I understand what is going on. It works because I function so simple.


Excerpt from “Codonaut – Where do we program ourselves?”, a Korsakow film about artificial intelligence. Go to codonaut.de to see the film.

Ein Roboter drückt Knöpfe

Ich kraule einen Roboter. Der Roboter heisst Pepper. Er ist einen Meter zwanzig groß, blinzelt mit riesige Augen und kichert vergnügt, wenn ich mit meinen Fingern über seine Plastikschale kratze. Ich kann gar nicht aufhören, ihn zu kraulen und wundere mich über mich selbst. Eigentlich kam ich hierher, weil ich etwas über Künstliche Intelligenz erfahren wollte. Statt dessen lerne ich etwas über mich. Ein Roboter drückt meine Knöpfe und in mir entstehen Gefühle, gegen die ich mich kaum wehren kann.

Und offensichtlich funktioniert das nicht, weil der Roboter ein so kompliziertes Gerät ist.

Es dauert eine Weile, bis ich verstehe, was da gerade passiert. Es funktioniert, weil ich so einfach funktioniere.


Auszug aus “Codonaut – Wohin programmieren wir uns?”, einem Korsakow-Film über Künstliche Intelligenz. Der Film ist hier zu sehen: codonaut.de

Mirror of thinking

Humans are in the process of developing artificial intelligence. And to understand how thinking works, they take the most intelligent being they can think of and analyze how it thinks. So they put people into brain scanners and do all possible tests and examinations with them. And the result is always the same: People are insanely bad at thinking. Not only do they make many mistakes, they also believe all sorts of nonsense they have come up for themselves.

It may not be a good idea to create intelligence according to the model of humans – and maybe it doesn’t work at all with artificial intelligence.

Much more important, however, is that people build themselves a mirror by developing artificial intelligence. A mirror in which people can observe themselves thinking. That is what will change humankind.

Like when someone has a stain on his face. Only by looking into the mirror does he become aware of it. It may be very easy to get rid of the stain. But you first have to see the stain to know how to wipe it off your face.


Excerpt from “Codonaut – Where do we program ourselves?”, a Korsakow film about artificial intelligence. Go to codonaut.de to see the film.

Spiegel des Denkens

Die Menschen sind gerade dabei, künstlich Intelligenz zu entwickeln. Und um zu verstehen, wie Denken funktioniert, nehmen sie das intelligenteste Wesen, das ihnen einfällt und analysieren, wie es denkt. Sie legen also Menschen in Brain Scanner und machen alle möglich Tests und Untersuchungen mit ihnen. Und dabei kommt immer wieder das selbe heraus. Menschen sind wahnsinnig schlecht im Denken. Sie machen nicht nur viele Fehler, sie glauben auch allen möglichen Blödsinn, den sie sich selbst ausgedacht haben.

Es mag keine gute Idee sein, Intelligenz nach dem Vorbild des Menschen zu erschaffen – und vielleicht klappt es auch gar nicht, mit der künstlichen Intelligenz.

Viel wichtiger jedoch ist: Mit Künstlicher Intelligenz bauen sich die Menschen einen Spiegel. Einen Spiegel, in dem der Mensch sich beim Denken zuschauen kann. Das ist es, was den Mensch verändern wird.

Wie wenn einer einen Fleck im Gesicht hat. Erst durch den Blick in den Spiegel wird er sich dessen bewusst. Es mag ganz einfach sein, sich von dem Fleck zu befreien. Doch man muss den Fleck zuerst einmal gesehen haben, um zu wissen, wie man ihn sich aus dem Gesicht wischen kann.


Auszug aus “Codonaut – Wohin programmieren wir uns?”, einem Korsakow-Film über Künstliche Intelligenz. Der Film ist hier zu sehen: codonaut.de