Wind und weißes Kleid

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Dublin, 23. September 2005

Gerade in dem Moment als Olga das dritte mal anrief, verteilte ein kurzer, heftiger Windstoss mein Fruehstuck im gesammten Garten. Olga musste umbedingt sofort kommen, weil sie diese DVD brennen musste. Dazu brauchte sie meinen Computer.
Waehrend der Computer die DVD brannte, beschwerte sie sich ueber ihre Professoren an der warschauer Kunsthochschule. Denen hatte ihre Abschluss-Performance nicht gefallen, bei der sie sich eine rasierte Moese auf ihr weisses Kleid projezierte, um die weibliche Unschuld zu thematisieren.
Die DVD hat dann uebrigens nicht funktioniert. Ich hatte vorher schon angemerkt, dass man auf die Art, wie Olga es machen will, keine DVD brennen kann. Zumindest keine, die in einem DVD-Player laeuft. Aber ich hatte es nicht besonders nachdruecklich gesagt. Weil ich auf keinen Fall wollte, dass es so ausieht, als gehe mir Olga auf die Nerven.

Wasserflaschen auf Rasen

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Sydney, 23. August 2005

Australier legen halbvolle Plastikwasserflaschen in ihre Vorgaerten. “Warum?” frage ich bloede. “Wegen der Hunde!” Ich verstehe nicht. “Weil die Hunde dann nicht in den Vorgaerten hineinpinkeln.”
“Das ist ja toll,” sage ich, “und das funktioniert?”
“Na offensichtlich, weil sonst wuerden es die Leute ja nicht machen.”
Klar – es sieht auch ziemlich bloede aus mit all den Wasserflaschen auf dem Rasen.

Kleine Spanier

Berlin-Kreuzberg, 6. Juli 2005

Es regnet in stroemen. Meine Wohnung habe ich den ganzen Juli an ein sehr junges spanisches Paerchen vermietet. Ich mag die beiden nicht besonders. Mir kommen sie so vor, als waeren sie den ganzen Weg aus Zaragoza gekommen, um endlich mal miteinander ins Bett zu gehen. Jetzt liegen sie den ganzen Tag bei offener Zimmertuer auf meinem Bett und reden tiefsinnige Gespraeche. Eigentlich suess. Aber auch so langweilig und unendlich saudoof. “Macht euch mal locker,” moechte ich Ihnen zurufen, “wenn ihr weiter so verkrampft durchs Leben geht, werdet ihr nie Spass haben!” aber die beiden sprechen nur sehr schlecht Englisch, und mein Spanisch gibt es auch nicht her.

Von Hunden und Katzen

Berlin, 5. Juli 2005

“Stimmt genau!” ruft Tobias, “sie ist eine Katze, und ich, ich bin ein Hund. So ein Mist, so ein gottverdammter Mist! Julia kommt immer an, wenn sie etwas braucht, aber sie interessiert nicht, was ich will…. Ich muss mir einfach auch eine Hund-Frau suchen…” Ich überlege. Hund-Frauen gibt es irgendwie nicht, ich weiß nicht genau, warum. “Ich weißauch nicht warum,” sage ich, “Aber ich glaube, es gibt keine Hund-Frauen, was es gibt, sind Pferd-Frauen.” “OK, es gibt keine Hund-Frauen, aber ich, ich bin ein Hund, wahnsinnig anhänglich und treu, und total unglücklich, wenn er weggeschickt wird.” “Ja, Tobias”, sage ich, “du bist ein Hund!”

Sommer

Berlin-Mitte, Sonntag, 30. Juni 2005

Berlin zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Im lauen Abendlicht legt es sich vor meinen Balkon und blaesst mir sanft ins Gesicht. “Alles klar, Du blöde Kuh,” denke ich “diesmal bekommst Du mich nicht wieder rum.” Der nächste Flug ist bereits gebucht. Ich bin nur gekommen, ein Visum abzuholen. Die Dame bei Servisum, dem Büro, das die Visa-Angelegenheit regelt, ist berlintypisch schlecht gelaunt. Ich bin beruhigt.