Es bedarf eines Wahnsinnigen, die USA in eine Diktatur verwandeln zu wollen

Im vergangenen Jahr habe ich sehr viel über die Wahl in den USA und Donald Trump geschrieben. Im wesentlichen ging es dabei um die Unmöglichkeit, dass Trump President werden könne. Die These war, dass es ausreichend Sicherungssysteme gäbe, die alle Arten von Verrückten als Präsident verhindern würde.

Ich beklagte, dass es überhaupt so weit hatte kommen können, dass diese Notbremsen gezogen werden mussten und war beeindruckt, als es geschah. Als zum Beispiel die Republikanische Partei alles aufbot, um ihren eigenen Kandidaten zu verhindern, sogar auf die Gefahr hin, sich selbst zu zerstören.

Zuletzt habe ich Hoffnung in die Worte von Obama gelegt, dass er Vertrauen in das Urteil der Amerikaner habe. Im Nachhinein denke ich, seine Worte hätten alarmieren müssen. Trump wurde Präsident.

Trump ist Präsident. Und noch immer gibt es Sicherungssysteme und es ist faszinierend zu beobachten, wie diese Systeme aktiviert werden. Und es lässt einem den Atem stocken, zu sehen, dass nichts den Trump-Zug aufzuhalten scheint.

Wohin fährt der Trump-Zug?
Ich glaube nicht, dass Trump selbst ein Ziel hat, er scheint stets aus dem Moment heraus zu agieren und strategischen Überlegungen wenig aufgeschlossen zu sein. Das würde zumindest erklären, dass er oftmals derart waghalsig und unüberlegt vorgeht. Die Erfahrung, die Trump dabei jedoch immer wieder macht, ist, wie weit er mit alldem, kommt. Die Welt verändert sich entsprechend seiner Vorstellungen.

Wer gesehen hat, wie sich sein Kabinett bei der ersten Sitzung, als alle Minister versammelt waren, verhalten hat, mag verstehen, was ich meine. Die Minister haben sich kollektiv dem Wahnsinn des Präsidenten unterworfen. Der Weg wird Trump von denen gebaut, die sich aus – welchen Gründen auch immer – seinem Bild ergeben.

 

Wohin also führt der Weg?
Alles was wir derzeit sehen, macht plötzlich Sinn, wenn man es aus einem sehr unangenehmen Blickwinkel betrachten: Wir erleben den Überlebenskampf einer Demokratie. Die USA gehen in rasanter Geschwindigkeit in Richtung Diktatur.

Es bedarf vieler Wahnsinniger, die USA in eine Diktatur verwandeln zu wollen.

Trump Travel

When I saw this White House video celebrating the recent trip of Donald Trump my char dropped. Like so many times before, when I saw Donald Trump media productions. Is Donald Trump a magician that performs again and again tricks to twist reality? Is he a mad man who is able to convince other people to believe and support what he sees? Or is he opening a window to some kind of parallel universe?

I felt I had to add an other layer of intormation to the original video.

Verwirrung I – HYPERNORMALISATION

Donald Trump ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich muss mir diesen Satz jeden Tag einmal laut vorsagen. Bis ich es irgendwann glaube. Dabei hätte ich bisher immer gedacht, dass ich besonders gut in flexiblem Denken bin. Doch mein Hirn an diese Tatsache zu gewöhnen, fällt mit sehr schwer. Vor wenigen Tagen berichtete die Tagesschau, dass der Präsident diesmal nicht am alljährlichen White House Korrespondenten-Dinner teilnehmen würde, wie es traditionell üblich ist. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hätte schon wiederholt die Presse als Feinde des Volkes bezeichnet.

Der Nachrichtensprecher sagte es in ganz normaler Nachrechtensprecherstimme, so als würde er sagen: ‘Heute ist mit leichten Regenschauern zu rechnen’ – er sagt: “Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat bereits wiederholt die Presse als Feinde des Volkes bezeichnet.”

Ich kann es nicht glauben.

Journalismus

Wir leben in einer Welt der multiplen Realitäten. Das wurde 2016 deutlich wie nie.

Die Nachrichtenredaktionen sind Fabriken, in denen kleine Kuchen Wahrheit gebacken werden. Von dort werden sie in die ganze Welt geliefert.

Doch wir leben in einer Welt, in der es die Wahrheit nicht – oder nicht mehr – gibt.

POST-FAKTISCH ist das deutsche Wort des Jahres. POST-TRUTH the word of the year.

Es ist ein weltweites Phänomen und es beunruhigt viele. Denn für Menschen, die an die Wahrheit gewöhnt sind, ist POST-TRUTH unvorstellbar und bedeutet Unsicherheit.

In der Sprache, die Korsakow beschreibt, gibt es ein anderes Wort, für dieses Phänomen, doch im Gegensatz zu POST-FAKTISCH und POST-TRUTH ist es positiv konnotiert.

Es lautet: MULTIPLE REALITÄT, und bedeutet, dass es viele adequate Blicke gibt, die die Realität beschreiben. Und das beste Bild der Realität, ist die Auswahl der besten Blicke.

Davor muss man keine Angst haben, denn die Welt wird dadurch nicht unsicherer. Im Gegenteil, sie wird sicherer.

Für einen Bergsteiger, der in der Wand an einem Haken hängt, ist dieser Haken die Wahrheit. Wenn sich der Haken löst, ist der Bergsteiger verloren.

Multiple Realitäten bedeuten multiple Haken, an denen der Bergsteiger hängt. Das bringt zwei Vorteile. Es erhöht die Sicherheit – Auch wenn sich ein Haken löst, stürzt der Bergsteiger nicht in die Tiefe. Und es erhöht die Beweglichkeit. Der Bergsteiger kann einfacher die Richtung ändern, es gibt nicht nur einen richtigen Weg, den er gehen kann.

Für den Journalismus ist diese Zeit eine einmalige Gelegenheit die Zukunft der Nachrichten zu entwickeln.

Die Aufgabe der Journalisten – und es sind ganz klar die Journalisten, die diese Aufgabe übernehmen müssen – ist es, die besten Bliche auf die Realität herauszuarbeiten und sie dem Publikum anzubieten.

Nicht mehr den besten Blick – sondern die besten Blicke.

Nicht mehr die Wahrheit – sondern die Realität. Die Realität als die Summe der besten Blicke.

Zahlen sind falsch

Brexit, die Abstimmung über den Friedensvertrag in Kolumbien, die US-Wahl – Demoskopen lagen bei allen bedeutenden Abstimmungen der jüngsten Zeit völlig daneben.

Ich habe vor der Präsidentschaftswahl einen amerikanischen Meinungsforscher im Radio gehört. Ob denn ein Fehler wie beim Brexit passieren könne, wurde er gefragt. Die Antwort war eindeutig: Man habe in den USA viel genauere Methoden und würde auch sehr viel mehr Geld investieren als in England.

Es ist kurios. Am Tag nach dem völlig unvorhersehbaren Ergebnis rätseln die Experten, was denn wohl an ihren Zahlen falsch gewesen sei. Den Kopf über neue Zahlen gebeugt, als ob man nun plötzlich doch die Wahrheit daraus erkennen könne.

Es ist etwas grundsätzliches falsch am Zahlendenken. Kein kluger Politiker verlässt sich heutzutage mehr auf sein Gefühl, auf seinen moralischen Kompass, auf seine Überzeugungen. Politiker werden von Heerscharen von Analytikern beraten:

Mit der Unzweifelhaftigkeit konkreter Zahlen wird vorausgesagt, was das Volk wollen wird. Es wird abgeleitet, wie sich Politiker verhalten müssen, um erfolgreich beim Wähler zu sein und die Politiker verhalten sich entsprechend. Doch das können sie nur, indem sie sich verbiegen. Das Verbiegen kann man zwar nicht messen, doch das Publikum spürt es.

Trump hat alles falsch gemacht. Vermutlich aus Dummdreistigkeit. Verbogen hat er sich nicht. Das Publikum hat es ihm belohnt.

Die gebildeten Menschen haben gelernt, die Welt in Zahlen zu sehen, das Problem ist nur: die Welt lässt sich nicht in Zahlen quetschen. Und das Prinzip gilt auch in anderen Bereichen. Fernsehprogramme zum Beispiel, werden nicht mehr von Menschen mit Visionen gemacht, sondern von Verwaltern und Statistikern. Und bereits seit einigen Jahren funktioniert Journalismus nach dem Prinzip der Zahlen. Wahr ist, was sich in Zahlen ausdrücken lässt und richtig ist, wenn es sich durch Zahlen belegbar ist.

Demoskopen schauen auf die Bildschirme ihrer Computer, als wären es Glaskugeln, sehen Zahlenreihen und lesen daraus die Zukunft. Dem Orakel von Delphi war vermutlich auch nicht klar, dass ein Orakel ist, es dachte vermutlich, es könne die Zukunft sehen. Wir können sie heute ausrechnen. Oder vielmehr, wir können sie nicht ausrechnen.

Das ganze könnte ein großer Witz sein, doch das unlustige ist, dass mittlerweile so gut wie alle Entscheidungen auf Grundlage von Prognosen getroffen werden. Reale Entscheidungen, auf der Grundlage von Wahrscheinlichkeiten. So wird moderne Politik gemacht, wird Fernsehen gemacht, werden Städte gebaut.

Es gibt tatsächlich einen Trick, wie man die Zukunft formen kann. Man muss nur ganz fest daran glauben. Das ist kein Hokuspokus sondern ganz logisch, denn die Zukunft, die man fest im Blick hat, hat eine viel höhere Wahrscheinlichkeit Wirklichkeit zu werden. Das klappt nicht immer, aber überraschen oft. Auf wie großem Level, hat Trump gerade vorgeführt. Den Orakeln der Demoskopen zum Trotz.