Meinung macht blind

Wenn ich sage: „Ich habe zu nichts eine Meinung“, dann lachen die Leute meist und sagen: „Aber du hast doch zu allem eine Meinung.“ Die meisten regelmäßigen Leser meines Blogs scheinen diese Ansicht zu teilen, zumindest schliesse ich das aus den Äusserungen jener, die sich äußern.

Richtiger wäre zu sagen: „Es gelingt mir immer öfter keine Meinung zu haben“. Denn ich kann nur keine Meinung zu etwas haben, wenn ich mich konzentriere. Es ist unmöglich, sich auf alles zu konzentrieren. Es sind also nur ausgewählte Dinge, zu denen ich keine Meinung habe, zum Beispiel die Dinge, über die ich auf diesem Blog schreibe. Ich schreibe nicht (zumindest nicht mehr) über Dinge, die ich meine. Ich bemühe mich statt dessen die Dinge zu beschreiben, die ich sehe. Auch wenn ich selbst anderer Meinung bin, auch wenn sie mir selbst nicht ins Denken passen. Denn ich gebe nichts mehr auf meine Meinung.

Zu allem, was mir wichtig ist und worauf ich mich, seit ich gelernt habe keine Meinung mehr zu haben, konzentriert habe, habe ich keine Meinung.

Zu allem anderen habe ich noch ein Meinung und es ist das meiste.

Eine Meinung zu haben scheint der Default-Modus des Menschen zu sein und zwar in dem Masse in dem der Mensch Sprache entwickelt. Sprache ist Meinung. Das würde auch erklären, warum Meinung sich so gut in Sprache ausdrücken lässt, keine Meinung hingegen so schwer in Worten zu fassen ist und die in Worten ausgedrückte keine Meinung so zuverlässig zu Missverständnissen führt.

Seit ich angefangen habe, Dinge zunehmend ohne Meinung zu betrachten, sehe ich immer mehr. Denn ich sehe nicht nur das, was ich meine, sondern ich sehe auch das, was ich nicht meine. Und ich sehe das, was ich nicht meine so real, wie das was ich meine. Ich kann das, was ich nicht sehen will  also gar nicht mehr verleugnen und ich will es auch nicht. Denn die Welt ist viel größer und wahrer wenn ich nicht nur das wahrnehme, was ich meine, sondern auch das, was ich nicht meine, nicht denke, nicht wahrhaben will.

Und mit jedem mal indem es mir gelingt, das, was ich nicht meine genauso gut zu sehen, wie das, was ich meine, wird Meinung immer mehr irrelevant, uninteressant, unerstrebenswert. Denn Meinung lässt die Welt auf den Ausschnitt der eigenen Meinung kollabieren.

Keine Meinung lässt viel mehr sehen.

Die Zukunft wird interessant

Fire

Klimawandel ist ein tolles Problem, denn der Klimawandel treibt die Menschheit an weiter in eine Richtung zu gehen, in der sie schon immer unterwegs ist.

Der Menschheit wird in Zukunft ein mannigfaches an Energie zur Verfügung stehen, als heute und als jemals zuvor. Der Mensch hat als einziges Tier gelernt, systematisch Energie jenseits der eigenen Muskelkraft zu erschliessen. Das hat ihn befähigt Dinge zu tun, Dinge zu denken, Bewusstsein zu erlangen, wie kein anderes Lebewesen auf diesem Planeten.

Die allermeiste Energie, die auf der Erde zu Verfügung steht, kommt von der Sonne. Ohne die Sonne wäre die Erde ein kalter Planet. Fossile Energie ist nichts anderes als geronnene Sonnenenergie, in Jahrmillionen entstanden. Es ist relativ einfach, diese geronnene Energie aufzusammeln und wieder freizusetzen. Dem Mensch ist dieser Trick mit der Nutzbarmachung des Feuers gelungen. Es ist ein vielfaches schwieriger Energie direkt von der Sonne aufzufangen und nutzbar zu machen, denn man muss die Sonnenenergie umleiten, vom Tag in die Nacht, von einem Ort zum anderen. Das erfordert Techniken, die erst entdeckt und erschlossen werden konnten mit Werkzeugen, die herzustellen und zu betreiben gewaltige Mengen an Energie benötigen. Um die Energie der Sonne  ernten und speichern zu können benötigt man nicht nur die Energie, die es braucht um Solar-, Wind- oder Wasserkraftanlagen, Verteil- und Speichersysteme zu bauen, man benötigt noch ein millionenfaches mehr an Energie, um überhaupt erst in der Lage zu sein, diese Technologien erdenken zu können. In diesem Sinne könnte man sagen, dass in jeder einzelnen Windkraftanlage auch die Energie steckt, die zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte freigesetzt wurde.

Wir haben die fossilen Ressourcen nicht verschwendet, wir haben sie eingesetzt, um auf einen neuen Level zu kommen. Wir sind nun in der Lage unabhängig von der Energie zu werden, die geronnen auf der Erde herumliegt.

Ungeronnene Energie von der Sonne und Energie durch die Spaltung des Atoms hat der Menschheit Türen geöffnet, zu noch viel mehr Energie.

Und wozu das ganze?
Dazu habe ich eine Meinung: Es ist die Energie, die die Menschheit braucht um der Erkenntnis näher zu kommen.

Es ist nur der letzte Satz, den ich gerne Diskutieren möchte.

Große und kleine Tiere

Es mag am katholische liegen, oder daran, dass man ganz allgemein an Gott glaubt, ans Himmelreich, wo man unbedingt hinkommen will und wo ein Kamel durchs Nadelöhr passen muss. Da wo ich herkomme hat man es sich jedenfalls zur Angewohnheit gemacht, sich klein zu machen. Allerdings nur denjenigen gegenüber, die größer sind. Man gibt sich bescheiden und stellt im Zweifelsfall sein Licht unter den Scheffel. So habe ich es von meinem Vater gelernt.

Im Ausgleich zeigt man, was man ist, gegenüber denen, die kleiner sind – oder allerhöchstens gleich groß. Gegenüber den Nachbarn, zum Beispiel, oder gegenüber den Mitarbeitern. Man mäht den Rasen, zeigt sich am Sonntag im Anzug, stellt sich ein frisch gewaschenes Auto vor die Tür. „Was sollen sonst die Nachbarn denken?“, war immer die Frage. „Was will man, dass die Nachbarn über einen denken?“ wäre die richtige Frage gewesen. Und man wollte: bloss keine Schwäche zeigen!

Doch das ist eine törichte Strategie. Erst viel, viel später und erst lange nachdem ich den Glauben an Gott abgelegt hatte und auch nicht mehr insgeheim ins Himmelreich wollte, habe ich erkannt: man sollte es genau anders herum halten. Sich groß gegenüber denen machen, die groß sind. Gegenüber den Doktoren, den Professoren, all jenen, die klüger sind als man selbst. Man sollte sich groß machen denjenigen gegenüber, von denen man lernen will. Nicht, dass man sich aufblasen sollte, denn wer übertreibt wirkt lächerlich und wird nicht ernst genommen. Man sollte sich zeigen, so wie man ist. Seine Stärken hervorheben und stark genug sein, die Schwächen nicht kaschieren zu wollen, sondern sie statt dessen weithin sichtbar machen.

Das Zeigen der Stärken öffnet die erste Tür: Zu denen, die sich entscheiden müssen, wem sie ihre Aufmerksamkeit schenken wollen. Denn denen gegenüber muss man sich erst sichtbar machen. Man muss sie erst einmal überzeugen, dass es sich lohnt, überhaupt die Aufmerksamkeit auf einen zu richten.

Die Schwächen zu zeigen hingegen öffnet die zweite Tür: Man ermöglicht es denen von denen man lernen will zu erkennen, wo sie am effektivsten helfen können.

Den Kleinen gegenüber sollte man sich hingegen bescheiden geben. So, dass sie nicht eingeschüchtert und ohne Bedenken ehrlich sprechen können.

Wenn das gelingt kann man von allen lernen, von den großen und von den kleinen Tieren.

Rhetorik – Krankheit unserer Zeit

Als ich ein Kind war, hat mein Vater einen Satz gesagt der sich mir ins Hirn einbrannte: “Wenn man etwas verstehen will, muss man es sich nur im Extrem vorstellen, dann wird es deutlich.” Über diesen Satz habe ich viele Jahre nachgedacht. Es ist Unsinn. Denn die Dinge werden im Extrem nicht klarer, sondern verwandeln sich in etwas ganz anderes.

Zum Beispiel Wasser. Wenn man Wasser verstehen will, hilft es wenig, Wasser in seinen Extremen zu betrachten. Wasser über 100 Grad Celsius ist Dampf, unter 0 Grad – Eis. Wasser nimmt in den Extremen einen anderen Zustand an. Und so kann man, so lange man will, Eis und Dampf anschauen, man wird doch niemals Wasser verstehen.

Die verfluchte Rhetorik liebt es, Dinge im Extrem darzustellen. Es ist die Krankheit unserer Zeit. Die meisten Menschen machen es reflexartig und auch die meisten Medien funktionieren so. Und so kommt es, dass all die extremen Geschichten, mit denen wir tagtäglich bombardiert werden, statt zu Klarheit zu immer größerer Verwirrung führen.

Ein kleiner Text der das Leben verändert

Es liegt an Dir, du hast zwei Möglichkeiten diesen Text zu lesen. Entweder Du nimmst ihn an, konzentrierst Dich darauf, erforscht ihn und das nicht nur heute, Du machst es zur Gewohnheit über diesen Text zu reflektieren. Dann wird dieser Text Dein Leben verändern.

Oder, Du legst ihn zur Seite, vergisst ihn. Dann wird Dein Leben in  gewohnten Bahnen verlaufen.

Wenn Du diesen Text erforscht, wird er zu einer Tür, eine Tür in eine andere Realität. Dabei ist dieser Text ist nicht die einzige Tür zu dieser anderen Realität.

Es gibt viele Türen, vielleicht unendlich viele Türen und doch finden die meisten ihr Leben lang keine. Dabei kann alles mögliche Tür sein. So wie dieser Text, wenn man seine Aufmerksamkeit darauf richtet, es sich zur Gewohnheit macht, diesen Text nicht vergisst und sich immer wieder darauf konzentriert. Vieles kann Tür sein. Doch es ist nicht die Tür, es ist das durch die Tür gehen, das einen in die andere Realität bringt.